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Ministerin Dorothee Feller mit den Partnerinnen und Partnern von Fit for life (7. Januar 2026)

Auf ganz neue Weise fürs Leben lernen

Schulministerin Dorothee Feller hat mit Kammern und weiteren Partnern in der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen das Programm „Fit for life“ gestartet. Schülerinnen und Schüler erhalten von jetzt an viele Möglichkeiten, vom Lebenswissen aus der Berufswelt zu profitieren. Wie das gehen kann, zeigte die Auftaktveranstaltung im Ruhrgebiet.

Es ist, als habe das Wetter alles versucht, die Veranstaltung in Gelsenkirchen zu verhindern. Draußen treibt starker Wind mächtige Schneewehen durch Nordrhein-Westfalen, die Straßen des Ruhrgebiets liegen längst unter zentimeterdickem Weiß. Dennoch haben es viele Menschen in die Westfälische Hochschule geschafft, die Stühle füllen sich bis auf den letzten Platz. Schulministerin Dorothee Feller ist erschienen, ebenso rund 100 Gäste aus Kammern, Schulen und anderen Organisationen. Aufbruchstimmung, lockere Atmosphäre. Start des Programms „Fit for life“. Jeder hier will hören und sehen, wie sich ab jetzt viele weitere Türen für nordrhein-westfälische Schülerinnen und Schüler öffnen werden.

Vor vollem Haus in der Hochschule startete die Ministerin offiziell eine Initiative, die Berufswelt und Schulen auf eine ganz neue Weise verbinden wird. „Fit for life“ - eine Kooperation zwischen Schulministerium, Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord-Westfalen, Westdeutschem Handwerkskammertag sowie zahlreichen weiteren Kammern und Partnern ­– bringt Expertinnen und Experten aus Unternehmen und Handwerksbetrieben in die Schulen. Sinnvoll ergänzend zum Unterricht erklären beispielsweise Ernährungsberater, was gesundes Essen beinhaltet, geben Finanzfachleute über Kontoeröffnungen Auskunft, zeigen Handwerker das Reparieren von Haushaltsgeräten oder führen Steuerberater in die Feinheiten einer Steuererklärung ein. „Lebenswissen vermitteln“ – darum geht es, sagt Ministerin Feller.

„Wir brauchen neue Kompetenzen, andere Inhalte in den Schulen und dazu müssen wir nicht immer ein neues Unterrichtsfach schaffen, sondern vor allem andere Räume und Möglichkeiten, um Alltagswissen anschaulich und spannend zu vermitteln.“

Ministerin Dorothee Feller

Um diesen Transfer von Kenntnissen möglich zu machen, hat sie gemeinsam mit Ute von Lojewski, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und einst Präsidentin der Hochschule Münster, diese Idee geboren, frische Drähte zwischen Praktikern und Schulklassen zu knüpfen. „Wir brauchen neue Kompetenzen, andere Inhalte in den Schulen“, erläutert Ministerin Feller, „und dazu müssen wir nicht immer ein neues Unterrichtsfach schaffen, sondern vor allem andere Räume und Möglichkeiten, um Alltagswissen anschaulich und spannend zu vermitteln.“ Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche dürfen kreativ werden und ihren schulischen Alltag mit den bisher eher spärlichen Erfahrungen würzen: Sie können die Expertinnen und Experten in die Schulen einladen oder auch Unternehmen und Betriebe besuchen. „Das Angebot richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis zehn“, ergänzt Ute von Lojewski und zeigt sich von einer breiten Positivwirkung überzeugt: „Von externem Wissen zu profitieren, fördert nicht nur alltäglich benötigte Fähigkeiten, sondern kann zum Beispiel auch sozial-emotionale Kompetenzen oder die psychische Gesundheit verbessern."

Wie Schnittstellen zwischen Berufen und Schulen entstehen, hat die mit der Projektfederführung ausgestattete IHK Nord Westfalen in den vergangenen Monaten erprobt. In einigen Schulen in Nordrhein-Westfalen, die am Startchancen-Programm von Bund und Ländern partizipieren, waren Fachleute aus diversen Branchen bereits zu Gast, um ihr Knowhow in die Köpfe von Kindern und Jugendlichen zu bringen. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel freut sich über den gelungenen Aufgalopp und betont: „In jedem Betrieb ist so viel Wissen vorhanden, das wir zum Nutzen unseres Nachwuchses weitergeben können.“

Über diese ersten Begegnungen berichten während der Gelsenkirchener Veranstaltung sowohl Expertinnen und Experten aus der Praxis als auch Schulleitungen. So erzählt Isabel Asmus-Werner, stellvertretende Leiterin der Gelsenkirchener Ricarda-Huch-Schule, von respektvollen Treffen und beeindruckten Schülerinnen und Schülern. Ein Rettungssanitäter der Johanniter kam beispielsweise unmittelbar nach seiner Nachtschicht in die Schule, um seine Arbeit zu schildern und vor allem Hilfestellungen für das Verhalten in gesundheitlichen Notlagen zu geben. „Das Engagement des Experten hat Eindruck hinterlassen“, sagt Isabel Asmus-Werner. Dass die Fachleute mit den Herzen an ihren Tätigkeiten hängen, hat auch Antje Bröhl, Leiterin der Gertrud-Bäumer-Schule, ebenfalls aus Gelsenkirchen, beobachtet. Das, so waren sich alle beim Fit-for-life-Auftakt einig, sei unglaublich wichtig, um Kinder und Jugendliche zu begeistern. 

Anschließend kommt jemand auf die Bühne, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, genau diese Praxisfelder in den Schulen zu vergrößern – und die Zahl der verfügbaren Expertinnen und Experten zu steigern: Ludwig Thiede. Er ist Geschäftsführer der Berliner Firma „LifeTeachUs“, die sich als „Brückenbauer zwischen schulischer und realer Lebenswelt“ versteht. Das StartUp vermittelt über eine Online-Plattform in Minutenschnelle Fachleute an Schulen, arbeitet mittlerweile mit 17.000 Ehrenamtlichen zusammen. Die Expertinnen und Experten werden vor Aufnahme in die Datenbank geprüft, um festzustellen, ob sie geeignet sind, sich vor einer Schulklasse zu präsentieren und wertvolles Wissen in die Schulen weiterzutragen. „LifeTeachUs bringt die Gesellschaft genau dorthin in die Schule, wo sie gebraucht wird“, erklärt Thiede.

Unter Umständen reifen bei diesen Berufswelt-Schule-Begegnungen auch erste Kontakte ins Arbeitsleben. Schülerinnen und Schüler bauen nicht nur Alltagswissen auf, sondern erfahren auch, wie spannend es sein kann, selbst im Handwerk, in der Industrie, im Dienstleistungssektor oder in einem sozialen Job zu arbeiten. Gleichzeitig profitieren die Betriebe, die frühzeitig in den Austausch mit potenziellen Auszubildenden kommen und Einblicke in die Lebensrealität der Jugendlichen erhalten. Diesen Aspekt betont auch Dr. Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages: „Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, aus erster Hand zu erfahren, wie sich ein Beruf anfühlt und was sich alles mit einer beruflichen Ausbildung erreichen lässt, ist ein Gewinn. Gerade mit Blick auf die handwerklichen Ausbildungsberufe ist vielen nicht klar, was alles dazugehört und welche Karrieren möglich sind. Die überzeugendsten Beispiele liefert hier die Praxis. Deshalb haben wir uns auch als Handwerk in die Konzeption des Programms eingebracht.“

320 Ausbildungsberufe gibt es in Nordrhein-Westfalen – und damit jede Menge zu entdecken, meint Ministerin Feller zum Abschluss der Veranstaltung. Immer stehe eine möglichst optimale Förderung der Kinder und Jugendlichen im Blickpunkt, denn: „Die jungen Menschen sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Und wir müssen diese jungen Menschen fit machen für das Leben in dieser Gesellschaft.“ Manchmal, so die Ministerin augenzwinkernd, offenbaren sich durch „Fit for life“ in diesen Stärkungsprozessen vielleicht auch völlig überraschende Erkenntnisse: „Zum Beispiel, wenn eine Schülerin oder ein Schüler selbst mal an einer Drehbank steht, sich die Arbeit erklären lässt - und dann merkt, wofür man den Satz des Pythagoras im Leben tatsächlich braucht.“