[03.11.2026] Weiterentwicklung Übergang Schule - Beruf

>>>>>>>>>> Beginn der SchulMail des MSB NRW >>>>>>>>>

Sehr geehrte Schulleiterinnen,

sehr geehrte Schulleiter,
sehr geehrte Lehrkräfte,

Schülerinnen und Schüler auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten, ist eine wichtige Aufgabe. Inmitten von Digitalisierung, Fachkräftemangel und neuen Lebensentwürfen stehen Jugendliche vor einer überwältigenden Fülle an Möglichkeiten. Eine frühzeitige, systematische Berufliche Orientierung (BO) ist daher kein optionales Zusatzangebot, sondern das Fundament für einen erfolgreichen Lebensweg Ihrer Schülerinnen und Schüler.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Sie bei der Umsetzung der Beruflichen Orientierung im Rahmen von KAoA an Ihren Schulen wertvolle Erfahrungen gesammelt, eigene Ideen eingebracht, die bestehenden Standardelemente durch schulformspezifische und regionale Angebote ergänzt und diese Erkenntnisse mit uns geteilt. Dafür bedanken wir uns sehr. 

Weitere Erkenntnisse konnten wir im Schuljahr 2025/2026 im Rahmen einer einjährigen Laborphase, die gemeinsam vom Ministerium für Schule und Bildung, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zu „Jugend in Beruf“ initiiert wurde, an 16 Schulen unterschiedlicher Schulformen und Regionen gewinnen. Ziel war es, neue Wege zu erproben, Jugendliche frühzeitiger zu beraten, individueller zu begleiten und für eine berufliche Qualifikation zu gewinnen. Ziel aller Weiterentwicklungen ist es, mehr junge Menschen in Ausbildung oder Studium zu bringen, Ausbildungs- und Studienverläufe zu stabilisieren und jedem einen passenden Berufsabschluss zu ermöglichen. Für die Zukunft gilt: Berufliche Orientierung muss frühzeitig beginnen, kontinuierlich erfolgen und eng mit Beratung und praktischen Erfahrungen verbunden sein. Junge Menschen sollen die Unterstützung erhalten, die sie für eine tragfähige Entscheidung benötigen. Dafür müssen Schule, Berufsberatung, Wirtschaft und weitere Partner am Übergang Schule–Beruf verlässlich zusammenarbeiten.

Vor diesem Hintergrund werden wir mit neun aufeinander abgestimmten Weiterentwicklungen die Berufliche Orientierung in Nordrhein-Westfalen stärken. Dabei knüpfen wir an die bewährte Arbeit in Ihren Schulen an und wollen bestehende Mindeststandards erhalten und dabei Gestaltungsspielräume öffnen.

1. Einführung der berufswahlapp

Mit der berufswahlapp steht allen weiterführenden Schulen ein digitales Portfolioinstrument zur Verfügung, das den bisherigen Berufswahlpass ablöst. Es stärkt die eigenverantwortliche Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit ihrer beruflichen Entwicklung und unterstützt sie bei der Gestaltung der Beruflichen Orientierung im Unterricht. Im Zusammenspiel mit BOaktiv können Kompetenzanalyse, Reflexion und individuelle Förderung mit der fortlaufenden Dokumentation des Berufswahlprozesses verbunden werden.

Für die Einführung der berufswahlapp gelten folgende Schritte:

  • Für das Schuljahr 2026/2027 konnten sich die Schulen freiwillig für die Nutzung der berufswahlapp anmelden.
  • Ab dem Schuljahr 2027/2028 wird die Nutzung der berufswahlapp als digitales Portfolioinstrument verpflichtend.

Bereits zum Schuljahr 2026/2027 haben sich über 1500 von rund 2200 Schulen für den Einsatz der berufswahlapp an ihrer Schule entschieden.

2. Einführung von BOaktiv

Mit BOaktiv führen wir ein digital gestütztes Instrument zur Kompetenzanalyse und individuellen Förderung ein. Es unterstützt Sie dabei, Interessen, Stärken und Entwicklungspotenziale Ihrer Schülerinnen und Schüler zu erkennen und für die anschließende individuelle Förderung zu nutzen.

Ab dem Schuljahr 2027/2028 ersetzt BOaktiv das bisherige Angebot „Potenziale entdecken – dein Einstieg in die Berufliche Orientierung“, das mit Ablauf des Schuljahres 2026/2027 entfällt.

An den Berufskollegs (vollzeitschulische Bildungsgänge der Anlagen A, B, C und D, die keinen Berufsabschluss voraussetzen und zu keinem Berufsabschluss führen) beginnt die Einführung von BOaktiv im Schuljahr 2027/2028 auf freiwilliger Basis. Ab dem Schuljahr 2028/2029 ist der Einsatz verpflichtend.

Zur Unterstützung der Schulen werden Hilfsmaterialien und Moodle-Kurse für BOaktiv ab dem 2. Schulhalbjahr 2026/2027 bereitgestellt. Ergänzend werden derzeit landesweite Fortbildungskonzepte erarbeitet.

3. Erweiterte Standortbestimmung

Zukünftig soll die Standortbestimmung nicht allein auf der Grundlage eines Einstiegsinstruments erfolgen; stattdessen sollen weitere vorhandene Erkenntnisse über die Interessen, Stärken und Entwicklungspotenziale der Schülerinnen und Schüler einbezogen werden. Dazu gehören Ergebnisse der Lernstandserhebungen ebenso wie weitere Kenntnisse der Lehrkräfte über ihre Schülerinnen und Schüler. Die Erkenntnisse sollen systematisch so zusammengeführt werden, dass damit eine gezielte und individuelle Berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler erfolgt.

4. Verankerung einer BO-Stunde im Stundenplan

In den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 wird künftig jeweils eine BO-Stunde pro Woche in den Stundentafeln der jeweiligen Schulformen ausgewiesen. Dies schafft Zeit für die Auseinandersetzung mit der beruflichen Zukunft und sorgt für mehr Verbindlichkeit und Transparenz im Berufsorientierungsprozess. Die Stunde kann zudem dazu genutzt werden, Beratungsfachkräfte und Unternehmen, wie z.B. die ehrenamtlichen LifeTeacher aus Unternehmen, Handwerksbetrieben, Vereinen und Behörden im Rahmen des Projektes „Fit for Life – mehr Lebenswissen in Schule“ in den Unterricht hereinzuholen und damit dem Wunsch der Schülerinnen und Schüler nach mehr Lebens- und Orientierungswissen zu entsprechen. 

Ein landesweites Curriculum zur Beruflichen Orientierung wird als Grundlage für die Arbeit in den Stunden dienen.

5. Ausbau der Elternbeteiligung

Eltern sind wichtige Begleitpersonen im Prozess der Beruflichen Orientierung ihrer Kinder. Deshalb wird ihre Einbindung im Prozess weiter gestärkt und die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und weiteren Partnern intensiviert.

6. Ausbau und Flexibilisierung der Praxisphasen

Einblicke in Betriebe mit konkreten Tätigkeiten und Abläufen helfen, wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln und die Arbeitswelt kennen zu lernen. Daher werden Praxisphasen um ein Drittel ausgeweitet. Gleichzeitig sollen die bisherigen Vorgaben zur Umsetzung einzelner Praxiselemente zugunsten einer schulformspezifischen Gesamtzahl an Praxistagen flexibilisiert werden. Damit möchten wir Ihnen künftig größere Gestaltungsspielräume im regionalen Umfeld ermöglichen.

7. Beratung an wichtigen Haltepunkten

An wichtigen Haltepunkten des BO-Prozesses sind verbindliche Beratungsprozesse vorgesehen. Diese sollen Ihre Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre beruflichen Möglichkeiten zu reflektieren und konkrete Anschlussperspektiven zu entwickeln. Ab der Vorabgangsklasse sollen künftig Schule und Berufsberatung die Jugendlichen halbjährlich beraten und insbesondere an den Übergängen zwischen den Sekundarstufen I und II im Rahmen der Verantwortungskette passgenau begleiten. Dadurch wollen wir mehr Schülerinnen und Schülern eine konkrete Anschlussperspektive anbieten können, ebenso sollen Entscheidungen für den eigenen beruflichen Weg reflektiert getroffen werden.

8. Intensivierte Begleitung in Ausbildungsvorbereitungsklassen

Schülerinnen und Schüler in Ausbildungsvorbereitungsklassen werden künftig noch intensiver und individueller begleitet. Durch die frühzeitige Erkennung von Unterstützungs- und Förderbedarfen zur gezielten Stärkung ihrer Berufswahl- und Berufskompetenz möchten wir ihre Übergangschancen verbessern und Bildungsabbrüche sowie Fehlentscheidungen vermeiden. Schule, Berufsberatung, Jugendberufsagentur und regionale Partner werden dazu ihre Angebote enger abstimmen.

9. Flächendeckende Etablierung von Jugendberufsagenturen

Die Jugendberufsagenturen in Nordrhein-Westfalen werden flächendeckend ausgebaut und als verbindliche Kooperationsstruktur gestärkt. Durch die engere Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen sollen Jugendliche und ihre Familien Beratung und Unterstützung möglichst aus einer Hand erhalten. Gleichzeitig werden Doppelstrukturen und Informationsverluste vermieden.

Die konkrete Ausgestaltung und zeitliche Umsetzung der Maßnahmen in den Punkten 3 bis 9 befinden sich derzeit noch im gemeinsamen Erarbeitungsprozess der Partner des Ausbildungskonsens.

Zur Unterstützung bei der Umsetzung der oben genannten Punkte stehen bereits jetzt verschiedene Hilfsmaterialien zur Verfügung. Diese finden Sie im BO-Tool NRW. Weitere Materialien, wie z. B. die Moodle-Kurse zur berufswahlapp und zu BOaktiv befinden sich in der Erarbeitung und werden dort sukzessive bereitgestellt. 

Mir ist bewusst, dass diese Weiterentwicklungen der Beruflichen Orientierung mit Veränderungen bestehender Abläufe verbunden sind. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Weiterentwicklungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Berufliche Orientierung in Nordrhein-Westfalen verlässlich, flächendeckend und zukunftsfähig aufzustellen und die Zusammenarbeit aller Partner zu stärken. 

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, die Berufliche Orientierung aktiv mitzugestalten. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Urban Mauer

 

<<<<<<<<<< Ende der Nachricht des MSB NRW <<<<<<<<<<

Diese Nachricht wurde Ihnen im Auftrag des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSB NRW) übermittelt. 

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich an Frau Beate Osburg, beate.osburg[at]msb.nrw.de (beate[dot]osburg[at]msb[dot]nrw[dot]de).