Sportlerinnen und Sportler von MAKKABI e.V. stehen als Davidsstern aufgestellt auf dem Fußballfeld

123 Jahre jüdischer Sport in Deutschland - MAKKABI lebt

Sport verbindet – so auch bei MAKKABI e.V., dem jüdischen Turn- und Sportverband Deutschlands. Ihnen geht es neben dem Sport auch um interkulturelle Verständigung und Antisemitismus-Prävention.

123 Jahre jüdischer Sport in Deutschland - MAKKABI lebt

[Schule NRW Extra-Ausgabe, Juli 2021]

„MAKKABI CHAI!” lautet das Motto von MAKKABI, dem jüdischen Turn- und Sportverband Deutschlands. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Lang lebe MAKKABI” und das aus gutem Grund: die Geschichte von MAKKABI reicht mehr als 120 Jahre ins Jahr 1898 zurück. Damals gründeten jüdische Studentinnen und Studenten den ersten jüdischen Sportverein Deutschlands in Berlin. Benannt wurde er nach dem Anführer des jüdischen Aufstandes gegen die Römer „Bar Kochba”. Damit sind sie weltweit einer der ersten jüdischen Sportvereine.

Jüdische Sportlerinnen und Sportler auf der ganzen Welt ziehen nach und gründen eigene Sportvereine. Viele von ihnen nennen sich ebenfalls „Bar Kochba“ oder „Makkabi“ (die Makkabäer waren die Krieger, die den erfolgreichen jüdischen Aufstand gegen die makedonische Herrschaft anführten. Das Chanukka-Fest geht auf diese Ereignisse zurück). Denn die Idee hinter den Vereinsgründungen räsonierte weltweit: die Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgefühls durch die Stärkung des Körpers. Zudem wurden seit Anfang des 19. Jahrhunderts immer mehr spezialisierte Sportvereine gegründet. Später kamen auch Arbeiter- und konfessionelle Sportverbände wie die DJK, der CVJM und die jüdischen Sportvereine hinzu. Doch auch der zunehmende Antisemitismus in der Gesellschaft, der sich auch im Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus Sportvereinen widerspiegelte, motivierte viele Gründungen.

Auch heute sehen sich jüdische Sportlerinnen und Sportler mit Antisemitismus im Sport konfrontiert. Den knapp 40 MAKKABI Vereinen in ganz Deutschland ist es daher umso wichtiger klar darzustellen, dass es bei ihnen keine Diskriminierung gibt: bei MAKKABI ist jede und jeder, unabhängig von Religionszugehörigkeit, Nationalität oder Hautfarbe, willkommen. Aber: Gespielt wird mit dem Magen David, dem Davidstern, auf der Brust. Das ist ein Ausdruck des modernen jüdischen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins. Und die Botschaft kommt gut an: Der Großteil der MAKKABI Sportlerinnen und Sportler ist selber nicht jüdisch, sie alle aber identifizieren sich mit den Werten von MAKKABI: Respekt, Fairness, Toleranz und Akzeptanz.

Mit diesem Zusammen verschiedenster Kulturen schafft MAKKABI zudem Raum für Begegnungen. Denn auf dem Spielfeld zählt nicht, woher du kommst, sondern zusammen das beste Ergebnis zu erzielen. Aber gleichzeitig werden mögliche Vorbehalte abgebaut und es wird ein Leichtes, seine Mitspielerinnen und Mitspieler nach ihren Traditionen und Kulturen zu fragen: „Was ist eigentlich ein Schabbat? Kannst du mich mal einladen?” MAKKABI ist stolz, diesen Beitrag zum positiven Ansehen der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden leisten zu können.

Die MAKKABI Vereine werden vom Dachverband MAKKABI Deutschland e.V. vertreten. Seine Hauptaufgabe ist es, die jüdischen Nationalmannschaften aufzustellen. Denn alle zwei Jahre finden immer im Wechsel die European Maccabi Games in Europa und die Maccabiah, die „jüdische Olympiade”, in Israel statt. Im Gegensatz zu den MAKKABI Ortsvereinen können hier allerdings nur jüdische Athletinnen und Athleten teilnehmen. MAKKABIs Aufgabe ist es, jüdische Talente zu finden und die Mannschaften zu Höchstleistungen zu trainieren.

Zusätzlich organisiert MAKKABI regelmäßig Sportgroßveranstaltungen in Deutschland, so auch in diesem Jahr: Vom 2. bis 5. September 2021 finden die MAKKABI Deutschland Games in Düsseldorf statt. Erwartet werden über 500 Sportlerinnen und Sportler der Altersklassen Juniors (U18) und Open (18 bis 35), die in mindestens zwölf Sportarten gegeneinander antreten werden. Teilnehmen können alle Mitglieder der deutschen MAKKABI-Vereine, egal ob jüdisch oder nicht-jüdisch. Das MAKKABI Deutschland Team kann sich keinen besseren Weg vorstellen, das 1.700-jährige Jubiläum jüdischen Lebens in Deutschland zu feiern, als ein großes, buntes Sportfest für alle auszurichten.

Neben den sportlichen Wettkämpfen wird es zahlreiche Highlights geben, so zum Beispiel das Eröffnungsspiel gegen die Traditionsmannschaft von Fortuna Düsseldorf, die Eröffnungsfeier, den größten Schabbat in Düsseldorf, eine große Party am Samstag-Abend, den 5km Fun-Run und vieles mehr.

Eine besondere Herzensangelegenheit MAKKABIs ist es dafür zu sorgen, dass jede Athletin und jeder Athlet sich beim Sport aufs Wesentliche konzentrieren kann: die nächste auch persönliche Bestleistung.

Mit dem vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekt „Zusammen1 - Für das, was uns verbindet” möchte der Verein geeignete Handlungsstrategien zur Prävention und sachgerechten Nachbearbeitung antisemitischer und diskriminierender Vorfälle im organisierten Sport entwickeln und diese nachhaltig in Regelstrukturen überführen. Die Projektarbeit basiert auf den Elementen „Verstehen”, „Vermitteln” und „Verändern”.

Dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft noch immer präsent und im „Brennglas Sport” besonders virulent ist, offenbart dabei die Auftaktstudie „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung“: 39 Prozent der MAKKABI-Mitglieder waren bereits mindestens einmal von einem antisemitischen Vorfall im Sport betroffen, unter den Fußballerinnen und Fußballern sind es gar 68 Prozent. Doch nur ein Bruchteil der Vorfälle wird den Sportverbänden bekannt, da die Vorfälle entweder nicht gemeldet oder beispielsweise von den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern nicht als solche erkannt werden. Dabei ist Antisemitismus kein exklusives Problem der MAKKABI-Vereine: Er betrifft Jüdinnen und Juden in anderen Sportvereinen oder findet in gänzlicher Abwesenheit jüdischer Personen statt.

Um diesen gesellschaftlichen Missstand zu ändern, macht das Team alle am organisierten Sport beteiligten Akteure für eine Kultur des Respekts im Sport stark. Sie möchten langfristig dafür sorgen, dass Antisemitismus und Diskriminierung von den Sportplätzen Deutschlands verschwinden!

 

Autoren: Alex Bondarenko, Lasse Müller und Jule Brahms, MAKKABI e.V.

Der Verein

MAKKABI Deutschland e.V. ist der Dachverband der knapp 40 jüdischen Sportvereine in Deutschland. Nachdem die Nationalsozialisten die jüdischen Sportvereine auflösten, wurde MAKKABI 1965 neu gegründet. Der bisherige Höhepunkt der deutsch-jüdischen Sportgeschichte war die Ausrichtung der European Maccabi Games 2015 im Berliner Olympiapark. Heute zählen die rund 40 MAKKABI Ortsvereine in ganz Deutschland mehr als 5.500 jüdische und nicht-jüdische Mitglieder.