250 Jahre USA: Ein Thema für NRW-Schulen in 2026
Im beginnenden Jahr 2026 feiern die Vereinigten Staaten von Amerika 250 Jahre Unabhängigkeit – ein Anlass, die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch in der Schule zu beleuchten. Ein Gastbeitrag von Preeti V. Shah, US-Generalkonsulin in Nordrhein-Westfalen.
[Schule NRW 01-26]
Die Präambel der amerikanischen Verfassung formuliert das Ziel, „eine vollkommenere Union zu bilden“. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die Demokratie damals wie heute einem ständigen Wandel unterliegt. Im Jahr 2026 feiern die Vereinigten Staaten von Amerika den 250. Geburtstag der Verfassung und des Projekts “Demokratie” – dies ist eine Gelegenheit, die historischen Grundlagen dieser ältesten Demokratie der Welt zu beleuchten und die zahlreichen Herausforderungen und Chancen in der Geschichte meines Heimatlandes erneut zu betrachten.
Die USA und Nordrhein-Westfalen – Kooperation in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und mehr
Hier in Deutschland weiß man um den Einfluss, den unsere beiden Länder weiterhin aufeinander ausüben. Die beständige Partnerschaft hat nicht nur beiden Nationen genutzt, sondern auch zur globalen Stabilität, zum Wohlstand und zum Fortschritt beigetragen. Die lebendigen Beziehungen zwischen NRW und den Vereinigten Staaten von Amerika veranschaulichen dies: Etwa 1.800 US-Firmen haben in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland ihren deutschen oder europäischen Hauptsitz eingerichtet und tragen vor Ort zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Gleichermaßen investieren zahlreiche nordrhein-westfälische Firmen in den Vereinigten Staaten und sorgen auf beiden Seiten des Atlantiks für Wohlstand. Amerikanische Firmen sind gern gesehene Aussteller auf den zahlreichen Handelsmessen, die NRW zu bieten hat, und US-Delegationen besuchen das Bundesland regelmäßig.
Doch der Austausch zwischen NRW und den USA beschränkt sich nicht auf die Geschäftswelt. Das Bundesland, das zentral für die deutsche Wirtschaftsleistung ist, und die Vereinigten Staaten, einem der wichtigsten deutschen Handelspartner, verbindet auch ein reger kultureller und gesellschaftlicher Austausch. Museen in NRW zeigen die Werke US-amerikanischer Kunstschaffender – umgekehrt sind Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys und Gerhard Richter auch in den Staaten bekannt. US-Sportarten wie American Football und Baseball erfreuen sich in NRW wachsender Beliebtheit, während immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner von der deutschen Fußball-Bundesliga begeistert sind. Diese Beispiele sind besonders relevant, da die USA zusammen mit Mexiko und Kanada im Jahr 2026 die FIFA-Weltmeisterschaft ausrichten und weil die Weltmeisterschaft der International Federation of American Football (IFAF) in Flag Football in Düsseldorf, also in NRW, stattfindet. An Hochschulen und Forschungsinstituten in NRW arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern gemeinsam an den Herausforderungen der Zukunft – von künstlicher Intelligenz und Robotik über Biotechnologie bis hin zur Entwicklung der perfekten Batterie oder der Heilung schwerer Erkrankungen: Solche Kooperationen profitieren von der Vielfalt der Perspektiven und Disziplinen, die durch den transatlantischen Austausch zusammenkommen. Und nicht zuletzt arbeiten Forschende gemeinsam daran, Innovationen vor Spionage und erzwungenem Technologietransfer zu schützen.
Schüleraustausche und Städtepartnerschaften: Fundamente der deutsch-amerikanischen Beziehungen
Gerade junge Menschen aus beiden Ländern können von den bestehenden Beziehungen profitieren – um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern, wichtige Kenntnisse für das spätere Berufsleben zu erlangen oder auch, um sich mit einer neuen Kultur vertraut zu machen. Für Schülerinnen, Schüler und Studierende aus NRW sind die USA ein wichtiges Ziel für einen Austauschbesuch, nicht zuletzt wegen der Bedeutung der englischen Sprache für die globale Verständigung. Dabei geht es teils sogar in die US-Partnerstadt des eigenen Wohnorts, denn viele der über 30 Städtepartnerschaften zwischen NRW und den USA unterhalten eigene Austauschprogramme.
Die Städtepartnerschaften – so zwischen Dortmund und Buffalo, Köln und Indianapolis oder Aachen und Arlington, um nur einige recht prominente Beispiele zu nennen – existieren oft schon seit vielen Jahrzehnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man so die informellen Beziehungen zwischen Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks stärken und zu nachhaltigem Frieden beitragen. Entwickelt haben sich daraus über die Jahrzehnte Freundschaften, Verbindungen zwischen Clubs, Reisen in das jeweils andere Land – und sicher auch die eine oder andere Hochzeit oder Jobmöglichkeit!
Von der Vergangenheit in die Zukunft – von NRW nach Germantown und zurück
Die Beziehung zwischen dem heutigen Bundesland NRW und den Vereinigten Staaten geht zurück auf eine Zeit, in der die Siedler die „Neue Welt“ gerade erst entdeckten und keine der beiden in ihrer heutigen Form existierten: Vor mehr als 340 Jahren machte sich eine Gruppe aus Krefeld – 13 mennonitische Familien – auf den Weg über den Atlantik. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die eigene Religion in Frieden auszuüben, kamen diese Menschen in das heutige Germantown, einen Vorort von Philadelphia in Pennsylvania, wurden dort sesshaft und prägten das kulturelle Leben der Region nachhaltig. Sie sind die Vorfahren der sogenannten „Pennsylvania Dutch“, von denen viele bis heute einen deutschen Dialekt sprechen.
Das beginnende Jahr 2026 ist ein wichtiges für die transatlantische Partnerschaft – vor inzwischen 250 Jahren erklärten die USA in der „Declaration of Independence“ ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Darauf folgte der Unabhängigkeitskrieg und schließlich der Aufbau der Nation, die wir heute als „Vereinigte Staaten von Amerika“ kennen. Und auch mit Blick auf dieses Datum lohnt der Blick nach Germantown: Während des Unabhängigkeitskrieges war die Stadt 1777 Schauplatz der „Schlacht von Germantown“. Obwohl die Briten den Sieg für sich reklamierten, führten die langfristigen Auswirkungen der Schlacht dazu, dass sich Frankreich mit den USA verbündete – ein entscheidender Wendepunkt im Krieg.
Amerika 250: Ein Fest für die Zusammenarbeit und ein Anlass zum Lernen
250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung bietet dieser wichtige, „runde“ Geburtstag der Nation einen treffenden Anlass, die transatlantischen Beziehungen zu feiern, in den Mittelpunkt von Aktivitäten zu stellen und womöglich auch weiter auszubauen. Durch Zusammenarbeit entsteht Vertrauen; durch gegenseitiges Kennenlernen Verständnis – auch für den einen oder anderen kulturellen Unterschied, den es trotz zahlreicher gemeinsamer Werte selbstverständlich gibt. Miteinander im Gespräch zu bleiben, auch im Angesicht von unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Welt – 250 Jahre US-Demokratie sind eine gute Gelegenheit zu vertieftem Austausch und der Beschäftigung mit den USA und ihrer bewegten Geschichte.
In NRW wird es im Rahmen von „America250“ – so der offizielle Titel der Feierlichkeiten – zahlreiche Aktionen geben, die die Bevölkerung – und selbstverständlich auch Lehrende und Schülerinnen und Schüler – einladen, sich zu informieren und einzubringen: Ausstellungen, Kinofilme, Konzerte, Theaterstücke und Lesungen sind nur einige der Formate, die von Aachen bis Bielefeld und von Münster bis Bonn angeboten werden. Auch im schulischen Unterricht ist der Themenkomplex „Amerika“ für viele Fächer attraktiv: Dazu gehört nicht nur der Englischunterricht, sondern auch in Geschichte, Politik oder Sozialwissenschaften bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für einen Blick über den Atlantik. Welche US-Autorinnen und Autoren prägen unser Verständnis der Vereinigten Staaten? Woher kommt eigentlich unser Bild vom „Wilden Westen“? Wie funktioniert das politische System der USA? Sozialer Aufstieg – was heißt das in den USA? Aber auch Themen wie der technische Fortschritt oder die diplomatischen Beziehungen mit den USA laden zur Diskussion ein.
Anlässlich von „America250“ stellt die US-Regierung im Internet eine Reihe von Materialien zur Verfügung, die sich z.T. auch für die Nutzung im Unterricht eignen:
America 250 Archives - ShareAmerica
America's Stories - America250
Zentral ist hier stets das Erzählen einzelner Geschichten, die sich zusammenfügen zu einem bunten Mosaik, das Amerika in all seiner Vielfalt definiert.
Ebenso ist das Amerikahaus NRW mit seinen zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Bundesland ein relevanter Partner, der auch mit Schulen arbeitet und Schülerinnen und Schüler wie Lehrkräfte auf den Veranstaltungen willkommen heißt: https://www.amerikahaus-nrw.de/de/home_2017.html
Während beide Länder, die USA und Deutschland, eine „vollkommenere“ Demokratie anstreben, bietet dieses Jahr der Feierlichkeiten und Reflexion die Gelegenheit, einen eigenen Beitrag zu diesem stetigen, sich weiterentwickelnden Projekt zu leisten. Machen Sie mit – wo, wie und wann immer Sie können!
Autorin: Preeti V. Shah, US-Generalkonsulat Düsseldorf
Auch das US-Generalkonsulat – ansässig in Düsseldorf, aber zuständig für das gesamte Bundesland NRW – bietet Formate an, in denen Jugendliche mit Amerika ins Gespräch kommen können und sich mit dem Thema „America250“ auseinandersetzen. US-Generalkonsulin Preeti V. Shah, seit 2024 in NRW zu Hause, ist offen für den Austausch mit NRW-Schulen: Zu Themen wie der wirtschaftlichen Bedeutung der transatlantischen Beziehungen oder zur Rolle des Sports im Kontext der Zusammenarbeit zwischen NRW und den USA, aber auch darüber, mit welchen Aufgaben sich eine Diplomatin 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung täglich auseinandersetzt. Anfragen für Schulbesuche können per E-Mail eingereicht werden unter: barbara.richter[at]msb.nrw.de (barbara[dot]richter[at]msb[dot]nrw[dot]de)
Mehr erfahren über Preeti V. Shah
Preeti V. Shah trat im August 2024 ihr Amt als Generalkonsulin im US-Generalkonsulat Düsseldorf an. Shah ist als Tochter indischer Einwanderer in einem Vorort von Detroit, Michigan, aufgewachsen. Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Internationalen Beziehungen absolvierte sie am Claremont McKenna College in Südkalifornien.
2004 trat Preeti V. Shah in den diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten von Amerika ein. Bevor sie nach Düsseldorf kam, war sie in Nicaragua, der Türkei, Afghanistan, Mexiko und in Indonesien stationiert. Darüber hinaus hat sie in ihrer 20-jährigen Dienstzeit als Diplomatin in unterschiedlichen Bereichen des State Department in Washington, D.C., gearbeitet, zuletzt als stellvertretende Leiterin der Public Diplomacy Ausbildung beim Foreign Service Institute. Ebenso war sie als außenpolitische Beraterin bei Senator Durbin und beim Western Hemisphere Bureau tätig. Hier beschäftigte sie sich mit Fragen der Migration und mit dem Wiederaufbau Haitis in Folge des Erdbebens von 2010.