Verschiedene bekannte Persönlichkeiten jüdischen Glaubens werden ikonisch abgebildet.

Antisemitismus vorbeugen und jüdische Vielfalt vermitteln

Die Online-Plattform MALMAD unterstützt mit Methoden und Materialien die Bildungsarbeit gegen Antisemitismus.

[Schule NRW 05-22]

Wie kann ein antisemitismuskritischer und diskriminierungsfreier Umgang in der Schule gefördert werden? Wie kann man mit Lernenden über das Judentum sprechen und dabei Stereotype vermeiden? Was lässt sich Jugendlichen über den Staat Israel vermitteln?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen hat die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus des Landes NRW (SABRA, hebräisch für „Kaktus“) das Projekt MALMAD (hebräisch für „Stachel“) entwickelt. MALMAD ist ein virtueller Methodenkoffer für antisemitismuskritische Bildungsarbeit und umfasst die vier Schwerpunkte Antisemitismus, Judentum, Israel sowie Demokratie und Menschenrechte.

Damit werden bisherige Leerstellen im Bereich der präventiv-pädagogischen Bildungsarbeit gefüllt. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erhalten hier unkompliziert qualitativ hochwertige Materialien und Methoden, um beispielsweise selbstständig Projekttage zum Themenkomplex Antisemitismus, Judentum oder Israel durchführen zu können. Darüber hinaus verfügt MALMAD über ein Glossar und verweist auf bereits existierende regionale sowie überregionale Bildungsangebote als auch Exkursionsziele mit dem Fokus jüdisches Leben in NRW. Die Materialien sind nach einer kostenfreien Registrierung zum Download verfügbar.

Der virtuelle Methodenkoffer zeichnet sich dadurch aus, dass er Handreichungen und Materialien bestehender Bildungsangebote enthält, die erst nach einer sorgfältigen Prüfung hinsichtlich ihres Inhalts und ihrer Wirksamkeit übernommen wurden. Außerdem wird seit der Entwicklungsphase regelmäßig und umfassend das Feedback der Pädagoginnen und Pädagogen abgefragt und das Angebot dementsprechend modifiziert und angepasst: Die Bedarfe hinsichtlich der antisemitismuskritischen Methoden standen dabei im Vordergrund. Die Rückmeldungen verdeutlichten, dass die bereits existierenden Methoden sich eher für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe eignen und sich außerdem hauptsächlich mit den klassischen, rassistischen Erscheinungsformen des Antisemitismus sowie dem Post-Shoah-Antisemitismus intensiv auseinandersetzen. MALMAD stellt Methoden für alle Altersstufen und Schulformen zur Verfügung, die sich mit allen Facetten des Antisemitismus beschäftigen. Als einzige Online-Plattform bietet MALMAD eine Zusammenführung bestehender Methoden an. Alle Methoden und Materialien wurden und werden durch MALMAD evaluiert und die Methodensammlung kontinuierlich erweitert.

Ein größerer Bedarf zeigt sich auch hinsichtlich einer präventiv-pädagogischen Bildungsarbeit mit israelbezogenem Antisemitismus und dem Staat Israel: Schon im Bericht der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission von 2015 zum Israelbild in deutschen Schulbüchern wurde deutlich, dass ein verzerrtes Bild von Israel als Staat und Akteur im sogenannten Nahostkonflikt vermittelt wird. Die antisemitischen Eskalationen im Mai 2021 vor dem Hintergrund der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und palästinensischen Terrororganisationen haben die Relevanz dieses Themas noch einmal verdeutlicht. Daher setzt sich MALMAD in mehreren Methoden und Modulen sowie deren Ausarbeitung einen besonderen Fokus.

Darüber hinaus ist jedoch der Bedarf an neuen Materialien bei der Vermittlung jüdischen Lebensbeziehungsweise jüdischer Identitäten am größten. Auffallend viele Schulbücher und Materialien vermitteln ein einseitiges Bild vom Judentum als Religion. Zudem sind die meisten der Materialien ausschließlich für den Religionsunterricht konzipiert. Dass das Judentum auch eine Ethnizität ist und sich viele Jüdinnen und Juden nicht (nur) als religiös identifizieren, dass das Jüdisch-Sein auch nur einen Teil ihrer Identität ausmacht, wird dabei oft vernachlässigt. Hinzu kommt, dass sich das Judentum durch eine Vielfalt an religiösen und kulturellen Ausprägungen auszeichnet. In den Unterrichtsmaterialien wird jedoch meistens allein vom orthodoxen Judentum ausgegangen. MALMAD wird auch diesem Missstand mit entsprechenden Materialien entgegenwirken.

Zu diesem Zweck wurde auch das Projekt „8x2 Jüdische Perspektiven“ im Rahmen des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ von SABRA entwickelt. Das Projekt sticht mit seinen dialogisch aufgebauten Gesprächen und seinem pädagogisch ausgearbeiteten Konzept aus vielen anderen Projekten hervor. Anstelle von Porträts oder Interviews zeigen acht Episoden Begegnungen von jeweils zwei unbekannten jüdischen Menschen. Die sechzehn Protagonistinnen und Protagonisten sind genauso vielfältig wie das jüdische Leben selbst, sie haben unterschiedliche religiöse Auffassungen, sie sind jung oder alt, orthodox oder liberal, jüdisch geboren oder konvertiert.

Die Themen der Episoden reichen von Musik über Soziale Netzwerke hin zu Heimatbegriffen, jüdischen Identitäten und religiösen Auffassungen: Kann ein Kantor auch Fußball spielen? Warum konvertiert jemand zum Judentum? Ist Israel immer erste Wahl, wenn es um Auswanderung geht? Warum ist eine Rabbinerin auch Professorin geworden? Wie ist es, schwul in der jüdischen Gemeinschaft aufzuwachsen?

MALMAD bietet zu den acht Kurzfilmen jeweils passend konzipierte Methodenbaukästen zur pädagogischen Arbeit an. Darin befinden sich aufeinander aufbauende Methoden zur Filmbegleitung samt aller dazugehöriger Materialien. Ausgehend von unterschiedlichen Altersklassen und Schwierigkeitsgraden sind die Methodenbaukästen binnendifferenziert konzipiert. Ob als Quiz, künstlerische Auseinandersetzung oder Arbeit mit Liedern und Rezepten – das methodische Angebot zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Einige Methoden sind ab dem zehnten Lebensjahr anwendbar, die pädagogische Altersempfehlung hängt dabei von den jeweiligen Themenschwerpunkten ab. Die Kurzfilme und Methoden sind ebenfalls kostenlos nutzbar.

 

Autorinnen: Marina Friemelt und Natalie Kajzer, SABRA

MALMAD

MALMAD - der Virtuelle Methodenkoffer gegen Antisemitismus ist ein Projekt von SABRA, der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus. Sie befindet sich in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. MALMAD wird gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.