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Ausgezeichnete kulturelle Bildungsarbeit: Ein Berufskolleg in Dortmund zeigt, wie es geht

Eine Gruppe aus angehenden Erzieherinnen und Erziehern arbeitet mit Literatur und Assoziationen dazu.

Ausgezeichnete kulturelle Bildungsarbeit: Ein Berufskolleg in Dortmund zeigt, wie es geht

Am Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg wird Kulturelle Bildung großgeschrieben. Angehende Erzieherinnen und Erzieher können hier durch ein Kulturwahlfach und zahlreiche Kooperationen mit Kulturorten viel über Kulturelle Bildung in der Erziehungsarbeit lernen – und dabei auch über sich selbst.

[Schule NRW 12-23]

Bunte Schnipsel ausgeschnitten aus Zeitschriften und Zeitungen liegen in der Mitte eines Holztisches in einem Klassenzimmer des Gisbert-von-Romberg-Berufskollegs in Dortmund. Zu sehen sind Wörter wie „Ausblicke“, „Gesundheit“ oder „Alltag“, dazu zahlreiche Abbildungen von Bäumen, Tieren und Städten, aber auch Geldscheinen oder Fußbällen. Daneben liegt das Buch „Schnipselgestrüpp“ von Julia Friese und Christian Duda.

Um den Tisch herum sitzen acht angehende Erzieherinnen und Erzieher und ihre Lehrerin. Eine Studierende fordert die anderen auf, sich drei Wörter und drei Abbildungen aus ihrer Lebenswelt auszusuchen und die Schnipsel anschließend auf die Karte vor ihnen aufzukleben. Dabei sollen sie sich schon einmal Gedanken machen, welche kleine Geschichte sie dazu erzählen könnten.

All das gehört zu einer Übung, die die Studierenden des Berufskollegs in Dortmund bei einem Literatur-Workshop kennengelernt haben und nun im Unterricht präsentieren. Voller Begeisterung berichtet Selma: „Man kann mit Literatur so viel machen, man kann nicht nur den Kindern vorlesen und die Sprache fördern, sondern eben auch solche Übungen machen und die Vorstellungskraft der Kinder noch vergrößern.“ Hintergrund der Übung ist, dass auch die Hauptfigur im Buch „Schnipselgestrüpp“ anhand von Zeitungsschnipseln Fantasiewelten erfindet. Im Kita-Alltag kann das Buch vorgelesen und anschließend durch die Übung mit den Schnipseln an die Lebenswelten der Kinder angeknüpft werden, erklärt Charly.

 

Das Dortmunder Berufskolleg als Sieger des Landespreises Kulturelle Bildung in der Kategorie „Schule“

Der Literatur-Workshop ist Teil des Wahlfaches Kulturelle Bildung, das die angehenden Pädagoginnen und Pädagogen in der konsekutiven, also „klassischen“ Erzieherausbildung am Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg auswählen können. Durch die Entscheidung für dieses Fach setzen die jungen Menschen einen Schwerpunkt – neben den ohnehin unterrichteten Bildungsbereichen Musik und Kunst bietet ihnen das Kulturwahlfach vertiefte Einblicke in Möglichkeiten der kulturellen Bildung in der Kindererziehung. Die Studierenden besuchen Kitas des „Netzwerkes Kulturkita Dortmund“ und erproben in Workshops Methoden musikalischer, literarischer, tanz- und theaterpädagogischer Bildung. Der Kulturschwerpunkt wird zusammen mit dem Kulturbüro Dortmund seit über zehn Jahren immer weiterentwickelt. Durch diese Vernetzung ermöglicht das Berufskolleg insgesamt zahlreiche Zugänge zu Kulturorten. Mit dabei sind unter anderem das Kinder- und Jugendliteraturzentrum „jugendstil NRW“ und die Musikschule Dortmund.

Für diese erfolgreiche kooperative kulturelle Arbeit in der Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher wurde das Dortmunder Berufskolleg in diesem Jahr mit dem Landespreis Kulturelle Bildung in der Kategorie „Schule“ ausgezeichnet. Die Landesregierung hat den Preis 2022 erstmalig verliehen, um die professionsübergreifende Zusammenarbeit zu würdigen, die für die Teilhabe junger Menschen an Kultur nötig ist und die an vielen Orten in Nordrhein-Westfalen bereits hervorragend gelingt. Die Preisgelder für drei Hauptpreise in den Kategorien „Jugendarbeit“, „Kultur“ und „Schule“ zu jeweils 20.000 Euro sowie vier Preise à 5.000 Euro werden aus Mitteln der Kulturförderung durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft bereitgestellt. Durch den Preis wird die Bedeutung Kultureller Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern sowie der Beitrag zur kulturellen Teilhabe, individuellen Förderung und Chancengerechtigkeit hervorgehoben.

„Für das Berufskolleg in Dortmund bedeutet der Preis und das damit verbundene zusätzliche Geld, dass neue Kooperationspartnerschaften aufgebaut werden können und die Ausstattung zum Beispiel im medialen Bereich verbessert werden kann“, erklärt Agata Schmidt-Gostkowska. Die studierte Kunst– und Sozialpädagogin ist zusammen mit ihrem Kollegen Ingo Schwenken verantwortlich für den kulturellen Bildungsschwerpunkt an der Schule. Sie erläutert weiter: „Wir überlegen unter anderem, mit dem Geld eine Schwarzlichtbühne anzuschaffen, hier könnten die Studierenden vor Ort theaterpädagogische Erfahrungen sammeln. Gerade für diejenigen, die sich vielleicht nicht so viel trauen, ist das besonders wertvoll – sie verschwinden sozusagen, aber können sich trotzdem ausdrücken.“ Schmidt-Gostkowska erklärt, dass das Gleiche auch für die Kinder in Kitas gelte.

 

Die Bedeutung Kultureller Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung

„Grundsätzlich ist Kulturelle Bildung für die Kinder aber auch für die persönliche Entfaltung und Entwicklung der angehenden Studierenden elementar. Gerade in diesem Bereich erleben sie sich selbst und bemerken oh ich bin selbstwirksam. Ich kann etwas bewirken und traue mich“, führt die Lehrerin aus. Genau diese Selbstwirksamkeitserfahrung an Kinder weiterzugeben und zu ermöglichen, sei entscheidend. Man spreche in der Fachschule für Sozialpädagogik viel von Personalkompetenzen: „Offenheit, Begeisterungsfähigkeit, Neugierde, sich auf etwas einlassen – all das gehört dazu und lässt sich sehr gut mit Kultureller Bildung vermitteln.“ Diese Möglichkeiten seien ein Grund dafür, dass das Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg diesen Kulturschwerpunkt habe.

Für die Pädagogin war diese Ausrichtung ein weiterer Grund, sich bei der Schule zu bewerben. Nach gut 20 Jahren an einem Berufskolleg in Oberhausen habe unter anderem die kulturelle Arbeit des Gisbert-von-Romberg-Berufskollegs sie an der Schule gereizt. Das besondere Engagement in dem Bereich sei durch die Verleihung des Preises Kulturelle Bildung sehr deutlich geworden: „Natürlich habe ich von dem Preis gehört und da ich so für das Thema brenne, habe ich mich sehr gefreut, dass es an dieser Schule gelebt wird.“

 

Die Weiterentwicklung des Kulturschwerpunktes

Wie sehr Schmidt-Gostkowska und ihr Kollege für das Thema brennen, wird auch an ihren Plänen deutlich, den kulturellen Schwerpunkt noch weiter auszubauen. Zukünftig soll das Kulturwahlfach auch in die praxisintegrierte Form (PiA) der Erzieherinnen- und Erzieherweiterbildung integriert werden. Im Gegensatz zur konsekutiven Ausbildung werden die Theorie und Praxisanteile kontinuierlich im Verlauf der Ausbildung verknüpft. „Wir haben bereits neue weitere Kooperationspartner für diese Ausweitung gewinnen können“, erklärt Agata Schmidt-Gostowska stolz. Das Kinder- und Jugendtheater und auch die Oper in Dortmund seien bald mit dabei.

Dass die Studierenden der PiA-Organisationsform der Fachschule von dieser Ausweitung profitieren können, zeigen die Reaktionen der Studierenden der konsekutiven Weiterbildungsform. Nach der Präsentation über den Literatur-Workshop erzählen sie, dass sie sich immer wieder für das Kulturwahlfach entscheiden würden. Eine Studierende berichtet, dass ihr durch das Kulturwahlfach nochmal viel klarer geworden sei, was dieses große Wort „Kultur“ alles beinhaltet. Auch die anderen Studierenden finden gerade diese Vielfalt super. Neben den anderen Wahlfächern Ökologie und Bewegung würde Kulturelle Bildung noch viel mehr beinhalten – unter anderem eben auch Bewegung, aber nicht nur das. Die Studierenden sprudeln vor Ideen, wie sie das Gelernte in der Praxis umsetzen können. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass die gebastelten Karten mit den aufgeklebten Schnipseln von den Kindern als Postkarte versendet werden könnten.

 

 

Autorin: Franziska Kassing, Ministerium für Schule und Bildung NRW

 

Der Landespreis Kulturelle Bildung

Derzeit läuft die Ausschreibung des Landespreises Kulturelle Bildung 2024. Bewerbungen können noch bis zum 26.01.2024 eingereicht werden. Alle Kooperationen von Kultur-, Bildungs- und Jugendeinrichtungen sowie Trägern, Vereinen und Initiativen, die Kulturelle Bildung als Bestandteil ihres Profils verankert haben, können sich bewerben.

Die Gewinner in den drei Kategorien „Schule“, „Jugendeinrichtung“ und „Kultur“ erhalten jeweils 20.000 Euro (Hauptpreis). Außerdem werden vier Kooperationen mit besonderem Entwicklungspotenzial mit je 5.000 Euro ausgezeichnet. Die Preisgelder werden vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft bereitgestellt. Bei der Ausrichtung der Preisverleihung wechseln sich die für Kulturelle Bildung zuständigen Ministerien (MKW, MSB, MKJFGFI) untereinander ab.

Im Jahr 2023 haben neben dem Gisbert-von-Romberg Berufskolleg in Dortmund das Kulturzentrum zakk (Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation) in Düsseldorf in der Kategorie „Kultur“ und die Internationale Kinder- und Jugendbühne Bahtalo in Duisburg in der Kategorie „Jugendarbeit“ gewonnen. Das zakk wurde für seine Kooperationsarbeit mit Poesieschlacht e.V. und neun nordrheinwestfälischen Schulen im Projekt „Poesiepause“ ausgezeichnet. Beim Bahtalo wurde durch den Preis die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Kunst- und Musikschule Duisburg prämiert. Mehr Informationen zu den Gewinnern gibt es hier: https://www.land.nrw/pressemitteilung/landespreis-fuer-kulturelle-bildung-hauptpreise-gehen-kooperationen-duisburg.

 

Mehr Informationen unter: https://www.mkw.nrw/NRW-Preis_Kulturelle_Bildung