Bessere Bildung von Anfang an: ABC-Klassen fördern die Sprachkompetenz
Um aktiv am Unterricht und am Schulleben teilnehmen zu können, brauchen Kinder gute Sprachkenntnisse. Damit das allen Kindern gelingt, führt NRW ABC-Klassen für Vorschulkinder ein.
[Schule NRW 06-26]
Besserer Schulstart, bessere Bildungschancen und bessere Bildungswege für alle Kinder: Eine frühe Förderung der Sprachkompetenz und weiterer Vorläuferkompetenzen hilft Kindern, die noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse und die erforderlichen Vorläuferfähigkeiten verfügen, bei ihrem Einstieg ins Schulleben. Die Landesregierung plant deshalb zum Schuljahr 2028/29 die Einführung von ABC-Klassen. Das Ziel: Künftig werden alle Kinder, die noch nicht über die für die Mitarbeit im Unterricht erforderlichen Kompetenzen verfügen, im Jahr vor der Einschulung an einer ABC-Klasse teilnehmen (verpflichtender schulischer Vorkurs zur Förderung der Sprachkompetenz – unabhängig vom Besuch einer Kindertagesstätte). Um genügend Zeit für die schulische Sprachförderung zu gewinnen, wird mit der Änderung der Ausbildungsordnung Grundschule der Anmeldestichtag für die Grundschule ab dem Jahr 2028 auf den März im Jahr vor der Einschulung vorgezogen. Die Feststellung der Sprachkenntnisse soll künftig mit standardisierten Verfahren erfolgen.
Die Verpflichtung zur Teilnahme gilt erstmals für Kinder, die ab dem 1. August 2029 schulpflichtig werden. Für Kinder, die vorher schulpflichtig werden, soll die bisherige Rechtslage weitergelten. Diese Übergangsregelung berücksichtigt die notwendigen organisatorischen Vorbereitungen bei allen Beteiligten.
Die Einführung der ABC-Klassen erfolgt in enger Abstimmung zwischen dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSB) und dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKJFGFI). Sprachliche Bildung beginnt früh und entwickelt sich kontinuierlich in den Bildungsorten der frühen Kindheit ebenso wie in der Schule. Vor diesem Hintergrund ist eine enge Verzahnung der Zuständigkeiten und fachlichen Perspektiven beider Ressorts von besonderer Bedeutung. Durch die Zusammenarbeit von MSB und MKJFGFI wird sichergestellt, dass bestehende Strukturen der alltagsintegrierten Sprachbildung in den Kindertageseinrichtungen sowie weitere Aspekte der frühkindlichen Bildung bei der Ausgestaltung der ABC-Klassen berücksichtigt werden. Beide Förderungen müssen wie zwei Puzzleteile ineinandergreifen.
Welche Ziele sollen mit der Einführung der ABC-Klassen erreicht werden?
Ziel ist es, unabhängig von der sprachlichen Ausgangslage des einzelnen Kindes, die Chancengerechtigkeit bereits zum Schulstart zu stärken. Bislang verfügt etwa ein Drittel der Kinder zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung unabhängig von der Herkunft des Kindes noch nicht über die Deutschkenntnisse, die für ein erfolgreiches Lernen in der Schule notwendig sind. Mit den ABC-Klassen soll sichergestellt werden, dass jedes Kind die erforderliche Förderung auch tatsächlich erhält.
Die ABC-Klassen sind ein zentrales Element des Schulkompass NRW 2030. Darin bündelt die Landesregierung zentrale Reformvorhaben von der Stärkung der Basiskompetenzen über mehr Bildungsgerechtigkeit bis hin zur gezielten Unterstützung von Schulen in herausfordernden Lagen. Die ABC-Klassen setzen dabei bewusst früh an: Sie tragen dazu bei, dass Kinder bereits vor der Einschulung die Grundlagen erwerben, die sie für einen erfolgreichen Bildungsweg brauchen.
Wie soll die Förderung konkret aussehen?
Grundlage für die Gestaltung der Förderung in den ABC-Klassen sind die Ergebnisse der individuellen Sprachstandsfeststellungen, die – wie bisher auch – zum Zeitpunkt der Schulanmeldung erfolgen. Die ABC-Klassen knüpfen an die alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kindertageseinrichtungen an. Neben der Sprachförderung werden auch weitere grundlegende Fähigkeiten systematisch gestärkt, die für einen erfolgreichen Schulstart wichtig sind. Dies sind insbesondere sprachliche und kommunikative, aber auch körperlich-motorische und sozial-emotionale Kompetenzen.
Die ABC-Klassen liegen in schulischer Verantwortung. Sie werden grundsätzlich von Grundschullehrkräften sowie von sozialpädagogischen Fachkräften aus der Schuleingangsphase durchgeführt.
Die genaue Ausdifferenzierung der organisatorischen und inhaltlichen Gestaltung der geplanten ABC-Klassen erfolgt durch untergesetzliche Regelungen.
Wo findet die Förderung statt?
Die ABC-Klassen können in den Räumlichkeiten einer öffentlichen Schule, einer Kindertageseinrichtung oder an anderen Orten stattfinden. Die Schule entscheidet in Abstimmung mit der zuständigen Schulaufsichtsbehörde unter Beteiligung des Schulträgers über den Ort der Durchführung. Soll der Vorkurs in einer Kindertageseinrichtung oder an einem sonstigen Ort stattfinden, ist das Einvernehmen mit dem jeweiligen Träger herbeizuführen.
Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Auf Basis der sich aktuell im parlamentarischen Verfahren befindlichen gesetzlichen Regelungen wird das MSB konkretisierende Vorgaben regeln und Unterstützungsangebote machen.
Dazu wurde eine Konzept-AG ABC-Praxis gebildet, in der Personen aus der Schulaufsicht, Schulleitungen, eine Sozialpädagogische Fachkraft, die Leitung einer Kindertageseinrichtung, Vertretungen aus dem MKJFGFI, der Kitaträger, aus der Landesstelle Schulische Integration, der QUA-LiS und insbesondere auch aus der Wissenschaft – hier die Bereiche Grundschulpädagogik und frühkindliche Bildung sowie Spracherwerbsforschung und Inklusion – vertreten sind. So wird sichergestellt, dass bei der Entwicklung der konkretisierenden Vorgaben und Unterstützungsangebote alle relevanten Perspektiven einbezogen werden.
Inhaltlich wird es darum gehen, mit den Vorgaben und Unterstützungsangeboten eine kindgerechte und professionelle fachliche Gestaltung der ABC-Klassen sicherzustellen und die Organisation in Bezug auf Gruppenbildung, Raumbereitstellung, Transport und Personaleinsatz möglichst reibungslos zu gestalten.
Der Hauptpersonalrat Grundschule wird fortlaufend über den Prozessfortschritt informiert.
Autoren: Peter Nink, Nina Sartory, Ministerium für Schule und Bildung NRW