Unterrichtsmaterialien gegen Judenhass
Schulministerium und Jüdische Gemeinde geben Lehrkräften mit dem Informationspaket AMUDIM Sicherheit beim Umgang mit verschiedenen Formen des Antisemitismus / Ministerin Feller: Wir helfen unseren Lehrkräften, Antisemitismus zu erkennen und entschieden zu handeln
Das Ministerium für Schule und Bildung teilt mit:
Antisemitismus hat viele Ausprägungen. Das Schulministerium hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, damit die Schulen sich besser gegen diese diversen Formen wehren können. Der Unterstützungsprozess geht kontinuierlich weiter – und nun kommt eine weitere Initiative hinzu. Mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf stellte Schulministerin Dorothee Feller am Donnerstag, 25. Februar 2026, in der Landespressekonferenz neue Unterrichtsmaterialien unter dem Namen „AMUDIM“ vor, die Lehrerinnen und Lehrern helfen sollen, Antisemitismus zu erkennen und entschieden und angemessen zu reagieren.
Das Kürzel steht für „Antisemitismuskritische Module für Unterrichtende mit Digital-Interaktiven Methoden“. Erarbeitet haben die Module das Ministerium und die von der Jüdischen Gemeinde und dem Ministerium gemeinsam getragene „Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus“ (SABRA).
„Antisemitismus nimmt zu in unserer Gesellschaft – das ist erschreckend und absolut inakzeptabel. Da Schulen immer ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind, sehen sich leider auch Lehrerinnen und Lehrer zunehmend mit dieser menschenverachtenden Haltung konfrontiert. Wir helfen ihnen, Antisemitismus zu erkennen und entschieden zu handeln, damit Israel- und Judenhass an unseren Schulen keine Chance haben. AMUDIM macht die verschiedenen Formen von Antisemitismus zudem für alle Schülerinnen und Schüler greifbar und anschaulich“, betont Ministerin Feller.
„Antisemitismus ist längst Alltag in der Schule, und die Schulen bekommen jetzt mehr Unterstützung im Umgang damit. Mit AMUDIM, einer digitalen und wissenschaftlich fundierten Lernplattform in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, entwickelt von SABRA und finanziert sowie fachlich eng begleitet vom Ministerium für Schule und Bildung, schaffen wir eine praxisnahe Grundlage für antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Unser Ziel ist es, konkrete Handlungskompetenz nachhaltig im Schulkontext zu verankern. Die Plattform verbindet aktuelle Antisemitismusforschung mit konkreten Unterrichtsmaterialien und erprobten Methoden. So stärkt AMUDIM Lehrkräfte darin, sicher auf antisemitische Vorfälle reagieren zu können“, fügt Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, hinzu.
Die AMUDIM-Module, die den Lehrerinnen und Lehrern ab sofort zur Verfügung stehen, behandeln den „Israelbezogenen Antisemitismus“, „Islamischen Antisemitismus“ und „Völkischen Antisemitismus“. Die Lehrkräfte können dazu online Grundlagenmodule und Vertiefungsmodule ansteuern. Sie erhalten Zugang zu Fakten und historischen Hintergründen, müssen Kurzaufgaben lösen, bekommen „Einladungen zur vertiefenden Reflexion“, um Gelerntes fest in ihren Köpfen verankern zu können, und finden Hinweise auf Unterrichtsmaterialien. Kompakte Texte, komplexe Sachverhalte in einfacher Sprache, Bilder und Grafiken, interaktive Formate: Die Module bereiten mit vielfältigen Elementen auf mögliche Alltagssituationen an Schulen vor.
Auf diese Weise erfahren Lehrerinnen und Lehrer beispielsweise, warum die meisten Vorfälle israelbezogenem Antisemitismus zuzuordnen sind. Helfen beim Erkennen dieses israelbezogenen Antisemitismus kann das sogenannte 3-D-Modell, bei dem sich Fragen stellen lassen. Wie sollten beispielsweise Lehrkräfte reagieren, wenn Schülerinnen oder Schüler Israels Handeln mit dem Nationalsozialismus gleichsetzen und als absolut böse darstellen? Wenn Israel das Existenzrecht abgesprochen wird? Oder wenn politische Handlungen Israels nach Maßstäben bewertet werden, die für keinen anderen Staat gelten? Dämonisierung, Delegitimierung, Doppelstandards – an diesen drei Kategorien lässt sich diese Variante des Antisemitismus erkennen. Das Modell entwickelte der israelische Politiker Natan Sharansky.
Auch welche Codes und Symbole völkischen Antisemitismus verraten, zeigt das AMUDIM-Material. Falls Lehrkräfte beispielsweise auf dem T-Shirt einer Schülerin oder eines Schülers die Zahlenkombination 444 lesen, können sie einordnen, dass diese für „Deutschland den Deutschen!“ steht. Und beim Entdecken der Buchstabenkombination „ZOG“ wird klar: Es ist eine Abkürzung für „Zionist occupied government“ (zionistisch besetzte Regierung) und geht auf den amerikanischen Antisemiten Eric Thompson und seine Behauptungen einer „jüdischen Weltverschwörung“ in den 70er-Jahren zurück.
Die neuen Unterrichtsmaterialien sind unter dem Link https://amudim.de/ zu finden.
Weiterer Hintergrund
AMUDIM ergänzt die zahlreichen Maßnahmen zur Antisemitismusprävention, die das Schulministerium in den vergangenen Jahren bereits ergriffen hat.
- Um auf die zunehmende Zahl antisemitischer Vorfälle insbesondere nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel im Oktober des Jahres 2023 zu reagieren, wies das Ministerium die Schulen in Nordrhein-Westfalen bereits in den anschließenden Herbstferien auf Beratungsstellen und Unterrichtsmaterialien zum Umgang mit dem Nahostkonflikt und Antisemitismus hin. Schrittweise wurde das Angebot seither zum Beispiel mit Unterrichtsmaterialien, Informationsangeboten, Webinaren und Projekten zum Jüdischen Leben, Umgang mit Konflikten in der Schule und zum Antisemitismus erweitert. Die Angebote werden bedarfsgerecht weiterentwickelt.
- Im neu aufgelegten Notfallordner „Hinsehen und Handeln“ finden sich zudem wichtige Hinweise im Umgang mit Antisemitismus unter den Schlagwörtern „Extremismus/Verfassungsfeindliche Äußerungen“.
- Wichtige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Schulen sind die 108 „Fachkräfte für Systemische Extremismusprävention“ („SystEx“), die mit erfahrenen Beratungslehrkräften oder sozialpädagogischen Fachkräften besetzt wurden. Deren Aufgabe ist es, bei Fragen zur Prävention von Radikalisierung, Extremismus und Gewalt die Schulen zu unterstützen.
- Die SABRA unterstützt Schulen beim Umgang mit Antisemitismus. Sie bietet neben einer systemischen Beratung von Schulen etwa den virtuellen Methodenkoffer MALMAD gegen Antisemitismus an, der Hintergrundinformationen, Methodenanleitungen, landesweite Exkursionsziele und mehr für die antisemitismuskritische Bildungsarbeit enthält.
- Im Bildungsportal gibt es ausführliche und umfangreiche Hinweise zur Prävention und Materialien zur antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. Die Seite enthält darüber hinaus Handreichungen der Bezirksregierungen mit Kurzbeschreibungen von Erscheinungsformen des Antisemitismus, Hilfestellungen im Umgang mit antisemitischen Vorfällen an Schulen und Verweise auf empfohlene Unterrichtsmaterialien der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats der Juden.
In Nordrhein-Westfalen bestehen darüber hinaus im Umgang mit antisemitischen Vorfällen an Schulen weitere rechtliche Regelungen. Der gemeinsame Runderlass des Ministeriums des Innern, des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales, des Ministeriums für Schule und Bildung und des Ministeriums der Justiz vom 19. November 2019 gibt vor, bei jedem Einzelfall zu prüfen, ob pädagogische, erzieherische oder schulpsychologische Unterstützungsmaßnahmen ausreichen oder Ordnungsmaßnahmen angezeigt sind. Zu prüfen ist immer auch, ob wegen der Schwere der Tat eine Benachrichtigung der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erforderlich ist.
Bei Bürgeranfragen wenden Sie sich bitte an: Telefon 0211 5867 40.
Bei journalistischen Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Schule und Bildung, Telefon 0211 5867 3505.
Dieser Pressetext ist auch verfügbar unter www.land.nrw