Filmtipp von FILM+SCHULE NRW: Der Brotverdiener
„Geschichten bleiben in unserem Herzen, selbst wenn wir alles andere vergessen.“ Von der Macht der Worte, die Mut und Hoffnung in dunklen Zeiten geben, handelt der neue Filmtipp von FILM+SCHULE NRW.
[Schule NRW 03-26]
Auf einem Markt in Kabul erzählt der Vater der elfjährigen Parvana von der Geschichte seiner Heimat. Kriege haben das Land geprägt, vom antiken Ariana bis ins heutige Afghanistan. In der Gegenwart herrscht ein theokratisches, autoritäres System unter der Führung der Taliban. Die restriktiven Gesetze schränken vornehmlich die Freiheit und Rechte der Frauen radikal ein – sie dürfen das Haus nur in männlicher Begleitung verlassen, keiner Arbeit nachgehen und nicht am öffentlichen Leben teilnehmen. Diese misogyne Ordnung trifft auch Parvana und ihre Familie, die ohnehin in prekären Verhältnissen lebt. Mit der willkürlichen Verhaftung ihres Vaters gerät ihre Welt aus den Fugen und die Lebenssituation der Zurückgebliebenen verschärft sich kolossal. Um das Überleben ihrer Mutter und Geschwister zu sichern, nimmt Parvana eine neue Identität an. Mit kurzgeschnittenen Haaren und in der Kleidung ihres verstorbenen Bruders Suleyman schlüpft sie in die Rolle eines Jungen und wird zum „Brotverdiener“ der Familie.
Das Leben als Junge bringt für Parvana zwar etwas Freiheit, doch die Gefahr bleibt allgegenwärtig. Bei Gelegenheitsarbeiten kann sie ein wenig Geld verdienen, gleichzeitig schmiedet sie den Plan, ihren Vater zu befreien. Die Realität um sie herum ist jedoch weiterhin von Gewalt, Angst und Willkür geprägt.
Zuflucht von der harten Realität findet das Mädchen in der Welt der Fantasie. Die väterliche Liebe zum Geschichtenerzählen lebt in ihr weiter. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Zaki taucht sie in eine bunt funkelnde Erzählwelt ein, in der ein Junge namens Suleyman vom bösen Elfenkönig gestohlenen Samen zu seinem Volk zurückbringt. Diese farbenprächtigen, in Scherenschnitt-Ästhetik gestalteten Sequenzen bilden einen kraftvollen Kontrast zur grauen Realität Kabuls und prägen Parvanas Weg zur Bewältigung ihrer Ängste und Trauer.
„Der Brotverdiener“ erzählt eindrucksvoll vom Leben junger Mädchen unter der Herrschaft der Taliban. Der Film beruht auf dem Roman „Die Sonne im Gesicht“ der kanadischen Autorin Deborah Ellis, die ihre Recherchen zu den Lebensumständen der Frauen und Mädchen in afghanischen Flüchtlingslagern durchgeführt hat. Realistisch und zugleich fantasievoll vermittelt der Animationsfilm einen ehrlichen und einfühlsamen Umgang mit schweren Themen. Für den Unterricht ab Jahrgangsstufe 7 eignet sich der Film, um Themen wie Armut, Kriegserfahrungen und die Geschichte Afghanistans zu behandeln. Ebenso bietet er Anknüpfungspunkte für Diskussionen über Rollenbilder, Geschlechterdiskriminierung und Frauenrechte.
Der Film „Der Brotverdiener“ wird im Rahmen des Labels „Ausgezeichnet!“ von FILM+SCHULE NRW vor allem für den Einsatz in den Fächern Geschichte, Gesellschaftswissenschaften, Deutsch, Ethik und Religion ab der Jahrgangsstufe 7 empfohlen. Lehrkräfte aus NRW können den Film als Download und Stream kostenlos über die Bildungsmediathek NRW abrufen.
Weitere Informationen unter: https://www.filmundschule.nrw.de/de/ausgezeichnet/der-brotverdiener/