Ministerin Yvonne Gebauer

Gegen Antisemitismus – für ein demokratisches und menschliches Miteinander!

Diese Ausgabe von Schule NRW widmet sich dem noch immer aktuellen Problem des Antisemitismus. Ein Vorwort von Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer.

[Schule NRW 05-22]

Liebe Leserinnen und Leser,

im vergangenen Jahr haben wir „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gefeiert und einen Blick auf Geschichte und Gegenwart jüdischer Familien, Glaubensgemeinden und das jüdische kulturelle Leben geworfen. Ich bin froh und dankbar, dass jüdisches Leben in all seiner Vielfalt wieder bei und auch mit vielen von uns gelebt wird. Es zeigt sich aber immer wieder: Dieses Leben, diese Vielfalt und diese Kultur sind immer noch bedroht, werden angefeindet, ja ihre Existenz in Frage gestellt. Wir als Gesellschaft dürfen hier nicht wegschauen.

Im vergangenen Jahr habe ich gemeinsam mit der jüdischen und der Chabad-Gemeinde Düsseldorf die Chanukka-Menora angezündet – und es hat mich tief berührt, dass sich manche Jüdinnen und Juden aus Angst um ihre Familien nicht trauen, das Chanukka-Licht sichtbar in ihre Fenster zu stellen.

Antisemitismus stellt die Wurzeln unserer Gesellschaft und unseres friedlichen demokratischen Miteinanders in Frage. Deshalb müssen wir handeln. Und deshalb ist es mir so wichtig, Demokratiebildung und Prävention mit in den Fokus schulischer Arbeit zu stellen.

Leider kommt es auch in unseren Schulen immer wieder zu antisemitischen Vorfällen. Auf der anderen Seite macht es mir Hoffnung, wie viele Schülerinnen und Schüler sich gegen Antisemitismus engagieren, wie viel hier schon in unseren Schulen und auch gemeinsam mit außerschulischen Partnern getan wird.

Wir alle gemeinsam müssen uns gegen jede Art von Hass und Ausgrenzung zur Wehr setzen! Und es ist Aufgabe der Schule, Werte wie Menschlichkeit, Solidarität und Zivilcourage zu vermitteln und Kindern und Jugendlichen eine gefestigte Haltung zu geben. Denn nur wenn Menschen einander achten und respektieren, ist ein sicheres und friedliches Leben für alle möglich.

Diese Schwerpunktausgabe von Schule NRW möchte einen Beitrag dazu leisten und Sie unterstützen, das Thema Antisemitismus in Ihrer Arbeit aufzugreifen. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir Beispiele geben, wie Antisemitismus im schulischen Kontext auftreten kann, wie Sie ihn thematisieren und gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern dagegenwirken können.

Die „Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus des Landes NRW“, kurz SABRA, ist einer unserer engsten Partner in diesem Bereich und ich freue mich, dass wir im vergangenen Monat unsere Kooperationsvereinbarung verlängert haben. Marina Friemelt und Natalie Kajzer von SABRA stellen Ihnen im Artikel „Antisemitismus vorbeugen und jüdische Vielfalt vermitteln“ den digitalen Methodenkoffer MALMAD vor. Lassen Sie sich davon für Ihre Arbeit inspirieren!

Wie Antisemitismus in Schule deutlich wird, dazu forscht das interdisziplinäre Projekt „Antisemitismus als soziales Phänomen in der Institution Schule“ der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Dr. Karim Fereidooni und sein Team skizzieren im Artikel erste Projektergebnisse.

Erfolgreiche Antisemitismusprävention liefert das Programm „Antisemi…was? Reden wir darüber“. Lina Kerzmann zeigt, wie man gemeinsam mit außerschulischen Lernorten schon den Anfängen judenfeindlicher Tendenzen entgegenwirken kann, und stellt die Lernorte Villa ten Hompel in Münster und das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten vor.

Ich wünsche Ihnen viele wertvolle Erkenntnisse mit dieser Ausgabe von Schule NRW!

Ihre

Yvonne Gebauer

Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen