Lernstand 5: Lernstände frühzeitig erkennen und Übergänge gut gestalten
Mit diesem Schuljahr hat die freiwillige Erprobungsphase des neuen Angebots Lernstand 5 begonnen. Wie hilft es Schulen dabei, die Entwicklung der Schulqualität in den Blick zu nehmen?
[Schule NRW 09-26]
Der Schulkompass NRW 2030 bildet als landesweite Strategie den Orientierungsrahmen für die Weiterentwicklung schulischer Qualität in Nordrhein-Westfalen. Mit seinen vier zentralen Zielen richtet er den Blick darauf, Schulen und Unterricht datengestützt, beteiligungsorientiert und nachhaltig weiterzuentwickeln. Ziel ist es, Schulen darin zu stärken, Lernstände frühzeitig zu erkennen, Unterricht gezielt weiterzuentwickeln und Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren jeweiligen Voraussetzungen zu fördern.
Ein wichtiger Baustein dieser Strategie ist der Lernstand 5. Im Schuljahr 2026/2027 beginnt die freiwillige Erprobungsphase dieses neuen Angebots. Lernstand 5 soll Schulen dabei unterstützen, die Lernausgangslage der neuen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler zu Beginn der Sekundarstufe I fundiert einzuschätzen. Die Erhebung findet in den Fächern Deutsch und Mathematik statt.
Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Ihre Lernvoraussetzungen werden frühzeitig nach dem Übergang in die weiterführende Schule in den Blick genommen.
Warum ist der Übergang in die Jahrgangsstufe 5 so wichtig?
Der Wechsel von der Grundschule in die Sekundarstufe I ist für Kinder und Familien ein bedeutender Schritt. Neue Klassen, neue Lehrkräfte, neue Fächer und neue Anforderungen prägen den Schulalltag. Zugleich bringen Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Erfahrungen, Stärken und Lernvoraussetzungen mit.
Gerade deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, wo Kinder bereits sicher sind und wo sie Unterstützung benötigen. Lernstand 5 bietet Schulen hierfür eine zusätzliche Orientierung. Das Verfahren macht sichtbar, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler am Beginn der Jahrgangsstufe 5 in zentralen Bereichen mitbringen. Damit kann der Unterricht von Anfang an besser an die Lerngruppe angepasst werden.
Im Sinne des Schulkompass NRW 2030 geht es dabei nicht um eine isolierte Testung, sondern um datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung: Informationen über Lernstände sollen genutzt werden, um Lernen zu unterstützen und Übergänge gelingend zu gestalten.
Was wird bei Lernstand 5 betrachtet – und warum?
Lernstand 5 nimmt grundlegende Kompetenzen in den Blick, die für das weitere Lernen in der Sekundarstufe I besonders bedeutsam sind. Die Erhebung erfolgt in Deutsch und Mathematik. Im Fach Deutsch steht das Lesen beziehungsweise Leseverstehen im Mittelpunkt, im Fach Mathematik geht es um zentrale mathematische Kompetenzen.
Diese Bereiche sind für den weiteren Bildungsweg grundlegend: Wer Texte sicher erschließen kann, kann in allen Fächern besser lernen. Wer mathematische Grundlagen versteht, kann neue Inhalte darauf aufbauen. Lernstand 5 hilft Lehrkräften daher, frühzeitig Hinweise darauf zu erhalten, wo Lernprozesse stabil weitergeführt werden können und wo gezielte Förderung sinnvoll ist.
Wer nimmt teil – und wie ist die Teilnahme gestaltet?
Die teilnehmenden Schulen erhalten rechtzeitig alle notwendigen Informationen zur Durchführung, zum Zugang des Online-Portals sowie zu den erforderlichen Anmeldedaten.
Lernstand 5 startet im Schuljahr 2026/2027 zunächst in einer freiwilligen Erprobungsphase. Die Entscheidung über eine Teilnahme trifft die Schule. Wenn eine Schule an der Erprobung teilnimmt, ist vorgesehen, dass die gesamte Jahrgangsstufe 5 einbezogen wird. Für die Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe ist die Teilnahme dann verbindlich.
Die Durchführung findet zu Beginn des Schuljahres statt, im Zeitraum vom 17. September bis zum 9. Oktober 2026. Damit fällt Lernstand 5 bewusst in eine Phase, in der die Kinder gerade an der weiterführenden Schule angekommen sind. Das Verfahren ist darauf ausgerichtet, die Lernausgangslage der neuen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler in zentralen Bereichen sichtbar zu machen.
Dabei geht es nicht darum, zusätzlichen Druck aufzubauen. Ziel ist vielmehr, Lehrkräften frühzeitig eine Grundlage für Unterricht und Förderung zu geben: Nicht als isolierte Bewertung einzelner Schülerinnen und Schüler, sondern als pädagogische Grundlage, um Lernprozesse besser begleiten zu können.
Wie unterstützt Lernstand 5 die Schülerinnen und Schüler?
Für Schülerinnen und Schüler ist Lernstand 5 ein Instrument, das dazu beitragen kann, nach dem Übergang in die weiterführende Schule gut anzukommen. Ihre Lehrkräfte erhalten Hinweise darauf, welche Voraussetzungen die Lerngruppe mitbringt. Dadurch können Unterricht und Förderung gezielter geplant werden.
Das kann zum Beispiel bedeuten, dass bestimmte Grundlagen noch einmal aufgegriffen, zusätzliche Übungsangebote eingerichtet oder anspruchsvollere Aufgaben bereitgestellt werden. Entscheidend ist: Lernstand 5 soll nicht Druck erzeugen, sondern Unterstützung ermöglichen. Die Ergebnisse dienen dazu, Lernprozesse besser zu verstehen und Kinder dort abzuholen, wo sie stehen.
Damit knüpft Lernstand 5 unmittelbar an ein zentrales Anliegen des Schulkompass NRW 2030 an: Schülerinnen und Schüler sollen in ihrer Lernentwicklung bestmöglich begleitet werden.
Welcher Vorteil ergibt sich aus Lernstand 5 für Lehrkräfte?
Für Lehrkräfte bietet Lernstand 5 eine zusätzliche Grundlage für die pädagogische Arbeit mit den neuen fünften Klassen. Gerade zu Beginn der Sekundarstufe I müssen Lehrkräfte die Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler erst kennenlernen. Lernstand 5 kann diesen Prozess unterstützen.
Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, welche Kompetenzen in einer Lerngruppe bereits gut entwickelt sind und wo Förderbedarf besteht. Sie können im Kollegium besprochen und mit weiteren Beobachtungen aus dem Unterricht verbunden werden. So entsteht ein umfassenderes Bild der Lerngruppe.
Ein weiterer Vorteil liegt in der digitalen Durchführung. Lernstand 5 wird computerbasiert durchgeführt; auch die Auswertung erfolgt über das Lernstand-5-Portal. Das entlastet Lehrkräfte insbesondere bei der Korrektur: Geschlossene Aufgaben werden automatisiert ausgewertet, so dass weniger Korrekturaufwand entsteht und Ergebnisse schneller zur Verfügung stehen. Offene Antworten werden weiterhin durch Lehrkräfte eingeordnet. So verbindet das Verfahren digitale Unterstützung mit der pädagogischen Expertise der Lehrkräfte.
Wie sorgt die Schulleitung dafür, dass Lernstand 5 wirksam wird?
Die Schulleitung trägt eine zentrale Verantwortung dafür, dass Lernstand 5 nicht bei der Erhebung stehen bleibt. Entscheidend ist, wie die Ergebnisse in die schulische Arbeit einfließen. Dazu gehört, dass die Auswertung im Kollegium vorbereitet, pädagogisch eingeordnet und mit konkreten Maßnahmen verbunden wird.
Im Sinne des Schulkompass NRW 2030 können die Ergebnisse von Lernstand 5 auch für schulische Entwicklungsprozesse genutzt werden. Sie geben Hinweise darauf, wo Unterricht und Förderung weiterentwickelt werden können. Außerdem können zusammengefasste Ergebnisse in schulische Beratungen und – nach Entscheidung der Schule – in Zielvereinbarungsgespräche mit der Schulaufsicht einfließen.
So wird Lernstand 5 zu einem Baustein datengestützter Qualitätsentwicklung: Die Schule gewinnt Informationen, wertet sie gemeinsam aus und nutzt sie für die Weiterentwicklung von Unterricht und Förderung.
Was bedeutet Lernstand 5 im Gesamtzusammenhang des Schulkompass NRW 2030?
Der Schulkompass NRW 2030 richtet den Blick auf die Weiterentwicklung guter Schule. Lernstand 5 fügt sich in diese Strategie ein, indem er Schulen frühzeitig Hinweise zu den Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler gibt.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Zahlen oder Testergebnisse allein, sondern die pädagogische Nutzung: Was brauchen die Schülerinnen und Schüler? Welche Unterstützung ist sinnvoll? Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass möglichst alle Kinder erfolgreich weiterlernen können?
Wichtig ist: Die Ergebnisse ersetzen nicht die Beobachtungen der Lehrkräfte, Gespräche mit Schülerinnen und Schülern oder Rückmeldungen aus dem Unterricht. Sie ergänzen diese Informationen. Erst in der pädagogischen Einordnung entsteht ein Gesamtbild, das für die weitere Förderung hilfreich ist.
Mit Lernstand 5 wird im Rahmen des Schulkompass NRW 2030 ein weiterer Schritt hin zu einer datengestützten, unterstützenden und nachhaltigen Schulentwicklung gegangen – mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler beim Übergang in die Sekundarstufe I bestmöglich zu begleiten.
Autorin: Eva Pertzel, Ministerium für Schule und Bildung NRW