Eine Frau und ein Mädchen sitzen auf einer Eckbank und lesen gemeinsam ein Buch.

Mehr Unterstützung durch EXTRA-Personal

Lernrückstände durch die Corona-Pandemie stellen viele Schulen vor eine große Herausforderung. Unterstützung bietet auch das Programm „EXTRA-Personal“. Schulen können mit den zur Verfügung stehenden Mitteln befristet zusätzliches Personal einstellen.

[Schule NRW 06-22]

Insgesamt 160 Millionen Euro sind im Rahmen des Programms „Aufholen nach Corona“ (AnC) für das Aktionsprogramm „EXTRA-Personal“ vorgesehen. Zunächst bis zum 31. Dezember 2022 können sich interessierte Schulen an ihre Schulaufsicht wenden. Eingestellt werden können sowohl Lehrkräfte als auch anderes pädagogisches oder sozialpädagogisches Personal. Zudem kann über das Programm auch regelmäßige Mehrarbeit von Bestandslehrkräften finanziert werden.

Um sich auf ausgeschriebene Bedarfe für Lehrkräfte zu bewerben, braucht man keine Lehramtsbefähigung. Willkommen sind auch Bewerbungen von Hochschulabsolventinnen, Pensionären, Studierenden oder Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung, wenn sie für den Schuldienst geeignet sind.

Auch bei den Ausschreibungen für anderes pädagogisches oder sozialpädagogisches Personal ist die Bandbreite groß. Bewerben können sich hier zum Beispiel Fachkräfte für Schulsozialarbeit, Fachkräfte in multiprofessionellen Teams, sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase, Fachlehrkräfte an Förderschulen oder auch Fachlehrkräfte an Berufskollegs, wie beispielsweise Werkstattlehrkräfte und technische Lehrkräfte.

Alle Personalbedarfe werden im Portal VERENA.NRW veröffentlicht.

 

Wie das Programm „EXTRA-Personal“ in der Praxis genutzt werden kann, zeigen die Beispiele der Grundschule Kruppstraße Wuppertal und des Ratsgymnasium Münster.

AnC an der Grundschule Kruppstraße

Lesen als Basiskompetenz

Das Lesen war und ist ein wichtiger Baustein des Schulprogramms an der Grundschule Kruppstraße in Wuppertal. Lesen ist fundamental, nicht nur für die weitere Schullaufbahn, sondern auch für den selbstständigen Wissenserwerb. Auf freiwilliger Basis haben daher Eltern seit vielen Jahren in der Schuleingangsphase beim Erwerb des Lesens mitgeholfen, indem sie während einer festen Schulstunde pro Woche in Absprache mit der jeweiligen Lehrkraft Schülerinnen und Schüler einzeln zum Lesen animiert haben. Die Akteurinnen und Akteure konnten dabei, auch durch die Auswahl der Texte, individuell auf die Fähigkeiten der Kinder eingehen und sie fördern.

Während der letzten zwei Corona-Jahre konnte diese Maßnahme so nicht mehr durchgeführt werden, da Eltern der Zutritt zur Schule verwehrt werden musste. Das war für die Beteiligten sehr bedauerlich. Es war aber zu erkennen, dass sich die Geschwindigkeit des Leseerwerbs, insbesondere in der Schuleingangsphase, verlangsamte, weil nicht immer Zeit für ein intensives Einzeltraining blieb.

 

Leseförderung dank „EXTRA-Personal“

Mit Hilfe des Programms „Ankommen nach Corona“ ergab sich eine Möglichkeit, genau diese zusätzliche Förderung auch ohne Elternhilfe wieder zu ermöglichen. Das Kollegium stimmte diesem Vorhaben mit großem Nachdruck zu. Das große Ziel war eine schnelle Realisierung des Vorhabens. Als Zeitraum waren sechs Wochen im Januar und Februar angedacht.

Im Rahmen des Bausteins EXTRA-Personals konnte eine junge Frau für die Leseförderung gewonnen werden, die schon im letzten Schuljahr ein Silentium an der Schule durchgeführt hatte. Sie war allen bekannt und den Kindern vertraut. Der Förderverein der Grundschule Kruppstraße wurde als Kooperationspartner angefragt. Der Vorstand zögerte nicht lang und unterschrieb quasi über Nacht den Projektantrag der Schule. Nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrages musste noch in einem letzten Schritt in Abstimmung mit den entsprechenden Klassenlehrerinnen der Schuleingangsphase der Einsatzplan erstellt werden. Innerhalb weniger Tage waren alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Die Umsetzung des Projektes verlief sehr erfolgreich. Alle Kinder der vier Klassen im 1. und 2. Schuljahr erhielten jeweils in drei Unterrichtsstunden pro Woche zusätzliche Leseförderung. Dabei konnten auch die eigens für diese Zwecke eingerichteten Lernecken in dem 2019 eröffneten Neubau genutzt werden. Wenn aus organisatorischen Gründen das Einzellesen mal nicht möglich war, blieb die zuständige Kraft für Leseförderung als Teamunterstützung für die schwächeren Kinder im Klassenraum.

 

Projekt wird fortgesetzt

Das Fazit dieses Versuchsprojektes war und ist durchweg positiv. Kinder, die noch zu Beginn des Jahres 2022 große Probleme mit der Buchstabensynthese hatten, wurden durch diese Unterstützung auf den richtigen Weg gebracht. Der Erwerb der Lesetechnik und im weiteren Verlauf die Lesegeschwindigkeit haben sich bei allen Kindern verbessert. Auch bei der Sinnentnahme eines Textes machten die Schülerinnen und Schüler Fortschritte. Die Kinder konnten mehr Fragen zum Text beantworten und die Texte zunehmend besser mit eigenen Worten erzählen. Aus diesem Grund hat das Kollegium beschlossen, dieses Angebot des AnC-Programms weiter fortzusetzen.

 

Autor: Holger Schwaner, Grundschule Kruppstraße Wuppertal

AnC am Ratsgymnasium Münster

Schreibcoaching als „selbstlernendes Projekt“

Das Ratsgymnasium Münster bietet für Schülerinnen und Schüler der Einführungs- beziehungsweise Qualifizierungsphase I ein Schreibcoaching an. Ermöglicht wird dieses Zusatzangebot durch das Programm „Ankommen und Aufholen nach Corona“ (AnC): Die Schreibcoaches konnten mit Hilfe der AnC-Mittel „Extra-Personal“ eingestellt werden. Sie bilden ein multiprofessionelles Team aus Lehramtsstudierenden, Vertretungslehrkräften, Hochschulmitarbeitern und Lektoren. Das stetig erweiterte Team aus nunmehr acht Schreibcoaches wird von zwei Deutsch-Lehrkräften koordiniert. Seit Oktober 2021 konnten bereits mehr als 40 Schülerinnen und Schüler unterstützt werden.

Da es für schulisches Schreibcoaching kaum Vorbilder in der bundesweiten Schullandschaft gibt, versteht sich das Projekt Schreibcoaching als „selbstlernendes Schulentwicklungsprojekt“. Das Konzept wird im Prozess evaluiert und an die bestehenden Bedarfe angepasst. Hierbei spielen die Erfahrungen, Dokumentationen und vielfach selbst entworfenen Materialien aller Beteiligten eine zentrale Rolle. Regelmäßige Meetings, Workshops und kollegiale Hospitationen bieten ebenso wie digitale Plattformen Gelegenheit zum fachlichen und organisatorischen Austausch.

 

Schreibförderung – auch in der Oberstufe

Im Übergang zur gymnasialen Oberstufe sehen sich viele Schülerinnen und Schüler mit einem deutlich erhöhten Anforderungsniveau im Bereich des Schreibens konfrontiert. In Unterrichts- und Prüfungssituationen müssen sie sich zunehmend komplexeren und umfangreicheren Schreibaufgaben stellen. Zudem erweitert sich die Klausurverpflichtung auf Unterrichtsfächer wie zum Beispiel Biologie, Erdkunde, Geschichte, Philosophie oder Pädagogik. Das verlangt eine flexible Schreibkompetenz.

Vor dem Hintergrund des eingeschränkten Präsenzunterrichts wurde deutlich, dass zahlreiche Jugendliche diese Herausforderungen zum Teil nur mit individueller Unterstützung gut bewältigen können.

Doch wie kann eine individuelle Förderung der flexiblen Schreibkompetenz auf Oberstufenniveau gelingen?

 

Was bedeutet Schreibcoaching?

Schreibcoaching unterstützt Schülerinnen und Schüler bei der Reflexion und Überarbeitung ihrer eigenen Textprodukte. Im Fokus steht die Tiefenstruktur des Textes. Dabei werden vor allem Aspekte wie der angemessene Einsatz des Wort- beziehungsweise Fachwortschatzes, sinnvolle sprachliche Variation, die Herstellung von Kohärenz sowie grammatikalische Korrektheit in den Blick genommen.

Um diese zeitintensiven Prozesse anleiten zu können, arbeiten Coach und Coachee in passgenauen Einzelsitzungen zusammen. Die intensive 1-zu-1-Betreuung, die auch in digitalen Formaten umgesetzt werden kann, ist elementarer Bestandteil des Konzeptes. Coach und Coachee identifizieren auf Grundlage der Schülertexte Trainingsschwerpunkte, die immer wieder gemeinsam reflektiert und angepasst werden. Dies wird von den Schülerinnen und Schülern als besonders gewinnbringend wahrgenommen. So werden die vielen Bausteine des eigenen Schreibprozesses bewusst wahrgenommen und die Jugendlichen können schrittweise passende Schreibstrategien ableiten.

 

Fragen zum Schreibcoaching-Projekt?

Weitergehende Informationen zum Projekt können unter schreibcoaching[at]rats.ms.de bei den Koordinatoren Dirk Reimann und Miriam Sprekelmeyer angefragt werden.

 

Autor: Dirk Reimann, Ratsgymnasium Münster

 

Einblicke in das Projekt Schreibcoaching am Ratsgymnasium Münster