Schulministerin Gebauer und Innenminister Reul stehen vor einem Polizeiauto

Mit mittlerem Schulabschluss in den Polizeidienst

Mit einem mittleren Schulabschluss in den Polizeidienst einzusteigen, das war in Nordrhein-Westfalen lange Zeit nicht möglich. Zum Schuljahr 2022/23 startet an elf Berufskollegs des Landes ein neuer Weg in die zweigeteilte Laufbahn bei der Polizei: der Schulversuch Fachoberschule Polizei.

[Schule NRW 06-21]

Die Vielfalt der Schullandschaft ist eine große Stärke Nordrhein-Westfalens. Die Berufskollegs, als essentieller Bestandteil dieser Schullandschaft, werden mit dem Schulversuch nun um ein neues wichtiges Berufsfeld erweitert: Den Polizeidienst.

In dem neuen Bildungsgang mit der offiziellen Bezeichnung „Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung, Schwerpunkt Polizeivollzugsdienst“ (kurz „FOS Polizei“) können Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss (Fachoberschulreife) oder mit der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe innerhalb von zwei Jahren gleich drei Sprossen auf der Karriereleiter zum Polizeidienst erklimmen.

Sie können in diesem Bildungsgang die Fachhochschulreife erlangen, rund 1.000 Praxisstunden bei der Polizei sammeln und sich so eine vorbehaltliche Einstellungszusage für die Polizei Nordrhein-Westfalen und damit auch für das anschließende Bachelorstudium an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung sichern.

 

Aufbau des neuen Bildungsgangs

Der Bildungsgang besticht durch einen hohen Praxisanteil. Die Fachoberschule Polizei startet in der 11. Jahrgangsstufe mit einem Jahrespraktikum bei einer Kreispolizeibehörde in Wohnortnähe der Schülerin oder des Schülers. Hier lernen sie den Polizeiberuf aus nächster Nähe kennen. Kreide, Absperrband, Sicherheitsweste - worauf kommt es an, wenn an einer Unfallstelle Spuren gesichert werden müssen? Und wie wird eigentlich eine Strafanzeige aufgenommen? Im Rahmen des einjährigen Praktikums erwerben die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse in der kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit, lernen den Wach- und Wechseldienst kennen und nehmen vor Ort an den polizeilichen Trainingseinheiten teil. Dabei sind sie an drei Tagen in der Woche in der Polizeibehörde und an zwei Tagen im Berufskolleg.

Die 12. Jahrgangsstufe findet dann im schulischen Unterricht am Berufskolleg statt und schließt mit der Fachhochschulprüfung ab. Um die Schülerinnen und Schüler optimal auf den Polizeidienst und das anschließende Bachelorstudium an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW vorzubereiten, stehen neben Fächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch auch neu entwickelte Profilfächer wie Recht und Staatslehre auf dem Stundenplan. In diesen Profilfächern wird der Unterricht nicht nur von den Lehrerinnen und Lehrern der Berufskollegs erteilt, auch Polizeibeamtinnen und -beamte unterstützen die Lehrkräfte und begleiten den Unterricht zeitweise mit.

Nach bestandener Fachhochschulreifeprüfung und bei Vorliegen der beamten- und laufbahnrechtlichen Voraussetzungen, werden die Absolventinnen und Absolventen der FOS Polizei zum 1. September als Kommissaranwärterinnen und Kommissaranwärter ernannt. Sie können dann das duale Bachelorstudium an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW beginnen.

 

Konkretes Profil und trotzdem flexibel?

Doch lieber eine Ausbildung im Bereich der öffentlichen Verwaltung?

Der neue Bildungsgang ist zwar für eine Laufbahn bei der Polizei ausgelegt, wer allerdings doch keine Karriere im Polizeivollzugsdienst einschlagen möchte, dem stehen nach Abschluss des Bildungsgangs auch andere vielfältige berufliche Möglichkeiten im Bereich der öffentlichen Verwaltung offen. Mit dem Fachhochschulabschluss im Gepäck stehen außerdem zahlreiche Studiengänge an den Fachhochschulen zur Auswahl.

 

Zugangsvoraussetzungen und Bewerbung

Interessierte Schülerinnen und Schüler müssen zum Schuljahresstart (im August 2022 für den Pilotjahrgang) einen mittleren Schulabschluss oder eine Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe vorweisen können.

Die Bewerbung selbst besteht dann aus drei Schritten:

Die Schülerinnen und Schüler bewerben sich zuerst bei der Polizei NRW und zwar auf einen Praktikumsplatz und für das Auswahlverfahren zum Bildungsgang „Fachoberschule Polizei“. Das Verfahren erfolgt zentral beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP NRW). Erst danach können sich die Schülerinnen und Schüler an einem der elf Berufskollegs, die den Bildungsgang anbieten, anmelden.

Im Rahmen der Praktikumsbewerbung durchlaufen die Schülerinnen und Schüler auch das Auswahlverfahren der Polizei Nordrhein-Westfalen. Die körperliche Eignung und die geforderten Fähigkeiten der angehenden Polizistinnen und Polizisten werden mittels mehrerer Tests überprüft. In einem schriftlichen Einstellungstest wird die Gedächtnisleistung sowie die Analyse-, Lern- und Kommunikationsfähigkeit abgefragt. Im Rahmen eines Assessment-Centers werden in der Gruppe wichtige charakterliche Kompetenzen ausgewertet. Die medizinische Tauglichkeit für den Polizeidienst wird vom polizeiärztlichen Dienst untersucht. Neben der Mindestgröße von 1,63 m werden dabei auch die Hör- und Sehfähigkeiten ärztlich bestätigt.

Der viel gefürchtete Sporttest mit einer Mindestanzahl an Klimmzügen findet mittlerweile so übrigens nicht mehr statt. Die körperliche Fitness spielt aber weiterhin eine große Rolle und wird durch einen Ergometer-Test festgestellt. Außerdem müssen die Bewerberinnen und Bewerber ihre körperliche Eignung durch das Deutsche Sportabzeichen und das DLRG-Rettungsabzeichen in Bronze oder dem goldenen Schwimmabzeichen belegen.

Der Schulversuch FOS Polizei ist zunächst bis einschließlich des Schuljahrs 2028/2029 geplant. Jedes Jahr stehen rund 300 Plätze zur Verfügung.

 

Fristen und teilnehmende BK‘s

Die Bewerbungsfrist bei der Polizei läuft für den Pilotjahrgang vom 1. Juni bis zum 8. Oktober 2021. Die Fristen für die Anmeldung an den Berufskollegs regeln die Schulträger.

Bislang bieten folgende Berufskollegs den neuen Bildungsgang an:

  • Regierungsbezirk Arnsberg:
    Konrad-Klepping-Berufskolleg in Dortmund
    Klaus-Steilmann-Berufskolleg in Bochum
     
  • Regierungsbezirk Detmold:
    Rudolf-Rempel-Berufskolleg in Bielefeld
     
  • Regierungsbezirk Düsseldorf:
    Max-Weber-Berufskolleg in Düsseldorf,
    Kaufmännisches Berufskolleg Walther Rathenau in Duisburg
     
  • Regierungsbezirk Köln:
    Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln
    Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Bonn
    Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren
     
  • Regierungsbezirk Münster:
    Hansa-Berufskolleg in Münster
    Kuniberg Berufskolleg in Recklinghausen
    Berufskolleg Königstraße in Gelsenkirchen

 

Weitere Informationen gibt es unter den folgenden Links:

https://www.genau-mein-fall.de/nextlevel/

https://www.schulministerium.nrw/themen/schulsystem/schul-und-modellversuche/fachoberschule-fuer-verwaltung-und-rechtspflege