Schreiben mit digitalen Medien: Skribi für Schülerinnen und Schüler in NRW
Skribi ist eine webbasierte Lernumgebung, die Schreibprozesse in der Primarstufe und im Übergang zur Sekundarstufe I digital begleitet. Schulen in NRW können das Tool kostenfrei über die Bildungsmediathek NRW nutzen.
[Schule NRW 05-26]
Die Schreibforschung der letzten Jahre zeigt: Schreiben ist ein hochkomplexer Prozess, der erfolgreicher gelingt, wenn er in soziale Interaktionen eingebettet ist (Bachmann & Becker-Mrotzek, 2012; Fix, 2008). Skribi setzt genau hier an: Die Lernumgebung unterstützt das individuelle Verfassen und gemeinsame Überarbeiten von Texten auf Tablets oder Laptops und macht das Schreiben so zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis in den Jahrgangsstufen 2 bis 6.
Warum sollten Schulen Skribi nutzen?
Der Einsatz digitaler Medien beim Verfassen von Texten ist im Medienkompetenzrahmen NRW sowie in den verbindlichen Unterrichtsvorgaben für die Primarstufe und die Sekundarstufe I verankert. Digitales Schreiben wird hierbei als zentrales Werkzeug für Kommunikation, Teilhabe und fächerverbindendes Lernen verstanden. Skribi bietet vor diesem Hintergrund eine digitale Lernumgebung, die sowohl die Medienkompetenz als auch die Schreibprozesse durch kreative und kollaborative Formen strukturiert unterstützt. Die Anwendung ist intuitiv gestaltet und an den Prinzipien der digitalen Welt sowie den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet.
Indem Skribi didaktische Prinzipien mit digitalen Funktionen vereint, entstehen Lernräume, in denen Kinder Texte gemeinsam planen, verfassen, überarbeiten und präsentieren können. Dabei bieten integrierte Hilfen wie Wortlisten, strukturierende Schreibimpulse und Vorlagen zu Schreibaufgaben sowie zu verschiedenen Textsorten und -mustern (siehe auch Fix, 2008) Unterstützung.
Diese vielfältigen Möglichkeiten können die Schreibmotivation der Schülerinnen und Schüler steigern, insbesondere für das freie und auch für das durch Aufgaben angeleitete Schreiben. Dabei ist das Tool nicht auf die Primarstufe beschränkt, sondern lässt sich gewinnbringend bis in die ersten beiden Jahrgänge der weiterführenden Schulen einsetzen.
Von Allein-Schreibenden zu vernetzten (Mit-)Schreibenden
Zentral in Skribi sind die kommunikativen und kooperativen Schreibprozesse. In der digitalen Welt ist ein Text selten „fertig“ und unantastbar – er wird geplant, überarbeitet, verworfen und neu zusammengesetzt. Skribi macht die Teilprozesse Planen, Formulieren und Überarbeiten sichtbar. In Skribi werden Kinder von Allein-Schreibenden zu vernetzten (Mit-)Schreibenden.
Konkret heißt das: Ein Text wird nicht mehr nur vom Ergebnis her gedacht. Stattdessen rückt die gemeinsame „Bedeutungsaushandlung“ in den Mittelpunkt. Kinder lernen, dass ein Text wächst, wenn man sich darüber austauscht und ihn überarbeitet.
Wie arbeiten Schulen mit Skribi?
Lehrkräfte haben in Skribi die Möglichkeit, den Kindern eigene Schreibaufgaben zu stellen oder aus Vorlagen zu wählen. Zudem können Schülerinnen und Schüler in Skribi auch freie, individuell bedeutsame Texte produzieren, gestalten und präsentieren (z. B. innerhalb der Lerngruppe über die Textbibliothek oder durch Export der Texte). Lehrkräfte können zudem bereits vorhandene Schreibkonzepte einbinden.
Die Herausforderungen beim Schreiben sind bekannt: Oft finden sich Kinder, die bereits komplexe Geschichten entwerfen, neben Kindern, die noch mit der Satzstruktur kämpfen. Skribi bietet hier eine wertvolle Entlastung durch Binnendifferenzierung.
Dabei können Schreibaufträge flexibel gesteuert werden, bspw. durch gezielte Zuweisung. Aufträge können an die ganze Klasse, an kleine Lerngruppen oder individuell an einzelne Schülerinnen und Schüler gestellt werden.
Komplexe Aufgaben können zudem in einzelne Etappen zerlegt werden. Besonders leistungsschwächere Kinder profitieren davon, wenn sie erst planen, dann formulieren und später in Ruhe überarbeiten können, anstatt alles gleichzeitig bewältigen zu müssen.
Auch profilierte Schreibaufgaben sind in Skribi möglich: So können Lehrkräfte Aufgaben umsetzen, die direkt an das Weltwissen der Lernenden anknüpfen, und sie in soziale Situationen einbetten. So erhält das Schreiben für sie einen Bezug zur eigenen Lebenswelt. Hierzu finden sich auch einige anpassbare Vorlagen in Skribi.
Der Peer-Kommentar: Lernen durch Perspektivwechsel
Das Herzstück von Skribi ist die integrierte Kommentarfunktion. Mit dieser können die Lernenden ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einladen, ihre Texte zu lesen, zu begutachten und zu kommentieren. Das geschieht alles innerhalb der eigenen Lerngruppe. Gleichzeitig führt dies zu einem Perspektivwechsel: Wenn ich den Text eines Freundes lese und kommentiere, lerne ich, die Brille des Lesers bzw. der Leserin aufzusetzen. Welche Stellen sind unklar? Wo fehlt ein Detail? Welchen Tipp habe ich?
Diese Kompetenz hilft später dabei, auch eigene Texte kritischer und distanzierter zu betrachten. Dieser Austausch von Ideen fördert nicht nur die Schreib-, sondern auch die Sozial- und Kommunikationskompetenz. Kinder üben konstruktive Kritik und nehmen Feedback an: eine Schlüsselqualifikation für unsere digitale Gesellschaft. Und schließlich lernen sie altersangemessen ein webbasiertes Werkzeug kennen, mit dem solche Prozesse digital gestützt in allen Textverarbeitungsprogrammen umgesetzt werden: die Überarbeitungsfunktion.
Raum für Öffentlichkeit
Bevor ein Text in Skribi für die gesamte Klasse veröffentlicht wird, kann die Lehrkraft den Text selbst für eine Endredaktion überarbeiten oder zur weiteren Überarbeitung zurückgeben. Die Veröffentlichung erfolgt erst durch die Freigabe der Lehrkraft in der klasseninternen Textbibliothek. Die Kinder erfahren auf diese Weise, was es bedeutet, mit eigenen Gedanken an eine Öffentlichkeit zu gehen. Sie reflektieren gemeinschaftlich über Kommunikation im Netz und entwickeln ein Bewusstsein für die digitale Welt und Respekt im Umgang miteinander.
Ausblick
Skribi zeigt, dass digitale Medien im Deutschunterricht weit über einen bloßen Papierersatz hinausgehen und eine neue Lernqualität ermöglichen. In den nächsten Wochen wird Skribi allen Schulen in NRW kostenfrei zur Verfügung gestellt und wird über die Bildungsmediathek NRW nutzbar.
Alle Lehrkräfte sind eingeladen, Skribi als digitalen Begleiter für die nächste Schreibreise ihrer Klasse auszuprobieren, da durch das gemeinsame Schreiben von Texten digitale Schreibkompetenz entwickelt wird, die über das Verfassen einfacher Texte hinausgeht.
Die Anwendung ist im Auftrag des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW von Prof. Dr. Michael Krelle (Universität Hamburg) sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit der Softwarefirma Outermedia entwickelt worden.
Skribi wird durch zahlreiche Materialien und Angebote begleitet, die die Einführung an den Schulen unterstützen. Diese finden sie hier: www.skribi-nrw.de
Autorinnen und Autoren: Juliane Tolle, Laura Schlicht & Univ.-Prof. Dr. Michael Krelle; Universität Hamburg
Zum Weiterlesen
Bachmann, T., & Becker-Mrotzek, M. (2012). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. (9. Auflage, Scriptor Verlag).
Fix, M. (2008). Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht (2. Aufl.). UTB.
FOKUS
Um Schulen bei der Stärkung der Basiskompetenzen zu unterstützen, werden im Rahmen von „FOKUS“ (Fachoffensiven – Kompetenzen im Unterricht stärken) in Kooperation mit der Universität Hamburg und der TU Dortmund Handlungsempfehlungen und Unterrichtsmaterialien entwickelt. In Deutsch liegt der Schwerpunkt auf „Richtig gut schreiben“, besonders mit Blick auf den Schreiblernprozess im Anfangsunterricht, Orthografie und Textproduktion (u. a. mit Skribi), in Mathematik auf einer förderorientierten Diagnostik im Bereich Arithmetik sowie auf Geometrie und dem Rechnen mit Daten und Größen.