Schüler laufen lachend aus Schulgebäude.

Sozialindex

Mit dem schulscharfen Sozialindex hat die Landesregierung ein Instrument entwickelt, mit dem in NRW erstmals künftig Ressourcen auch auf einzelne Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen zielgenau verteilt werden können.

Der schulscharfe Sozialindex

  • Die Landesregierung hat mit dem schulscharfen Sozialindex ein Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe erstmals auch die einzelnen Schulen in Nordrhein-Westfalen mit besonderen sozialen Herausforderungen gezielter unterstützt werden können.
  • Der schulscharfe Sozialindex soll dazu beitragen, bestimmte Ressourcen künftig zielgenauer auf die Schulen zu verteilen.
  • Ziel ist es insbesondere, den besonders hoch belasteten Schulen künftig zusätzliche Ressourcen zuzuweisen und sie so bei ihrer herausfordernden Arbeit noch besser zu unterstützen.
  • Der schulscharfe Sozialindex ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Die Landesregierung folgt dabei dem Prinzip, Ungleiches ungleich zu behandeln.
Der Schulsozialindex löst den Kreissozialindex ab
  • Der bisherige Kreissozialindex misst die soziale Belastung von Schulamtsbezirken, d.h. von Kreisen und kreisfreien Städten.
  • In der Fachwissenschaft wird der Kreissozialindex mittlerweile als Instrument für eine gezielte Ressourcensteuerung als nicht mehr ausreichend erachtet, denn es kommt darauf an, die innerhalb der Kreise und kreisfreien Städte sehr unterschiedliche Situation der Einzelschulen zu betrachten.
  • Deshalb hat das Ministerium für Schule und Bildung das Landesinstitut QUA-LiS beauftragt, in Kooperation mit der Ruhruniversität Bochum ein Modell für einen schulscharfen Sozialindex für die öffentlichen allgemeinbildenden Schulen (Grundschulen, Primusschulen, Hauptschulen, Realschulen, Sekundarschulen, Gesamtschulen und Gymnasien) zu erarbeiten.
  • Mit Hilfe dieses Schulsozialindexes ist es in Nordrhein-Westfalen nun erstmals möglich, die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft jeder einzelnen Schule in den genannten Schulformen mit einem Wert quantitativ abzubilden und bei der Verteilung der Lehrerstellen zu berücksichtigen.
Wie wird der Schulsozialindex berechnet?
  • Die soziale Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler der Schulen wird über die folgenden vier Indikatoren abgebildet:
  • Kinder und Jugendarmut: Der verwendete Sozialraumindikator basiert auf der Dichte der SGBII-Quote der Minderjährigen im geschätzten Einzugsgebiet der Grundschulen.
  • Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Familiensprache: Der schulische Erfolg von Schülerinnen und Schülern setzt umfangreiche sprachliche Kompetenzen voraus. Der Anteil an Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Familiensprache ist daher ein wichtiger Indikator für die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft.
  • Anteil der Schülerinnen und Schüler mit eigenem Zuzug aus dem Ausland: Die eigene Migrationserfahrung von Schülerinnen und Schülern ist eng mit dem Spracherwerb verbunden und bedingt u. U. weitere Ursachen einer individuellen Benachteiligung. Eine besondere Relevanz hat dieser Indikator im Hinblick auf die verstärkte EU-Binnenmigration seit Ende der 2000er, die für viele Schulen eine besondere Herausforderung darstellt.
  • Anteil der Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung und Sprache: Das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf ist eine besondere Herausforderung. Gerade Schülerinnen und Schüler mit den Förderbedarfen Lernen, Sprache und emotionale und soziale Entwicklung (LSE) kommen häufig aus ökonomisch prekären und sozial sowie auch gesundheitlich belasteten Familien.
  • Jede Schule wurde auf Grundlage der jeweiligen Ausprägung der Indikatoren und über ein statistisches Verfahren einer Sozialindexstufe auf einer Skala von 1 bis 9 zugeordnet. Die Stufe 1 entspricht einer sehr geringen Belastung, die Stufe 9 entspricht einer sehr hohen Belastung. Die landesweite Verteilung der Schulen auf die Sozialindexstufen nach Schulformen ergibt sich für das Schuljahr 2020/21 aus der folgenden Tabelle. Daraus geht hervor, dass sich rund 3 Prozent aller Schulen in den Sozialindexstufen 7 bis 9 (höchste Belastung) befinden, rund 75 Prozent aller Schulen den Indexstufen 1 bis 3 zugeordnet werden.
​​​​​​​Umsetzung des neuen Schulsozialindex
  • Der Schulsozialindex kommt bereits für die Verteilung eines Teils der Lehrerstellen zum Schuljahr 2021/22 zur Anwendung.
  • Den Bezirksregierungen wird insbesondere in einer Übergangsphase eine flexible Bewirtschaftung ermöglicht, damit die nur dort vorhandenen Vor-Ort-Kenntnisse bei der Bedarfsanerkennung auf Schulebene mitberücksichtigt werden können.
  • Zum Schuljahr 2021/22 werden in einem ersten Schritt rund 5.200 Stellen unter Berücksichtigung des Schulsozialindexes zugewiesen. Das sind fast vier Mal so viel wie von unter der Vorgängerregierung noch unter Berücksichtigung des Kreissozialindexes zugewiesen wurden.
Schulform Sozialindexstufe  
1 2 3 4 5 6 7 8 9 ohne Summe
Grundschule 644 823 529 300 175 145 70 14 4 8 2.712
Hauptschule 1 7 25 40 35 32 27 7 4 1 179
Realschule 48 95 104 53 25 3 3 - - 1 332
PRIMUS - 3 - 2 - - - - - - 5
Sekundarschule 4 44 36 11 5 2 - - - 5 107
Gesamtschule 30 129 91 39 9 7 2 - - 11 318
Gymnasium 260 186 45 10 1 1 1 - - - 504
Gemeinschaftsschule - 1 - - - - - - - - 1
Gesamtergebnis 987 1.288 830 455 250 190 103 21 8 26 4.158

Hinweis: Der schulscharfe Sozialindex wurde auf Basis der Amtlichen Schuldaten 2018/2019 berechnet. In der Tabelle sind insgesamt 26 Schulen ohne Sozialindexstufe ausgewiesen. Diese wurden nach dem 31. Juli 2017 neu gegründet und konnten daher bislang noch keiner Sozialindexstufe zugeordnet werden.

 

Schuljahr

2010/11

2016/17

2017/18

2018/19

2019/20

2021/22

Sozialindexstellen

1.300

1.375

1.346

2.773

4.510

5.200

 

  • Zum Schuljahr 2021/22 sind folgende Zuweisungen unter Berücksichtigung des Schulsozialindexes vorgesehen. Die schulscharfe Förderung über den Schulsozialindex beginnt in unterschiedlichen Sozialindexstufen, da in den Förderbereichen jeweils unterschiedliche Quantitäten gesteuert und unterschiedliche Ziele erreicht werden sollen.
  • Rund 3.260 Stellen gegen Unterrichtsausfall, für Vertretungsaufgaben und für besondere Förderaufgaben. Davon werden rd. 360 Stellen den besonders belasteten Schulen in den Sozialindexstufen 6 bis 9 schulscharf zugewiesen.
  • Rund 1.500 Stellen für den Ausgleich von Unterrichtsmehrbedarf für durchgängige Sprachbildung, Sprachförderung (sog. Integrationsstellen). Schulen erhalten ab der Sozialindexstufe 3 einen nach den Indexstufen gestaffelten Stellenzuschlag. (Schulen der Sozialindexstufen 1 und 2 sind am niedrigsten belastet und haben somit keinen oder nur einen geringen Bedarf für eine Förderung in der deutschen Sprache.)
  • Rund 450 Stellen für Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase, die mit dem Haushalt 2021 zusätzlich im Rahmen des Masterplans Grundschule geschaffen wurden.
  • Darüber hinaus können die Bezirksregierungen künftig bei der Zuweisung von Stellen des Mehrbedarfs grundsätzlich auch die Sozialindexstufen der Schulen in ihre Entscheidungen miteinbeziehen und so das Verteilungsverfahren objektiver gestalten.
Grundsätze der Unterrichtsversorgung
  • Das Ministerium für Schule und Bildung weist die mit dem Haushalt bereitgestellten Stellen den jeweiligen Bezirksregierungen zur Bewirtschaftung zu.
  • Die Schulen erhalten von der Schulaufsicht auf dieser Grundlage eine Personalausstattung zur Abdeckung des anerkannten Lehrerstellenbedarfs (Grund- Mehr- und Ausgleichsbedarf)
  • Die Stellen des schülerzahlabhängigen Grundbedarfs sichern die reguläre Unterrichtsversorgung unter Berücksichtigung der jeweiligen Stundentafel.
  • Für bestimmte Aufgaben werden zudem nach Maßgabe des Haushalts zusätzlich Mehrbedarfsstellen zugewiesen (z.B.: Ganztagszuschlag, Integrationsstellen)
  • Für außerunterrichtliche Tätigkeiten der Lehrkräfte (z. B für Tätigkeiten in der Lehrerausbildung) werden den Schulen sog. Ausgleichstellen anerkannt.
Ausblick
  • Der Schulsozialindex soll regelmäßig evaluiert und bei Bedarf aktualisiert werden. Im Rahmen einer solchen Evaluation wird die Landesregierung auch prüfen, inwieweit die Steuerung von Lehrerstellen über den Sozialindex weiter ausgeweitet werden kann.
  • Welche Ressourcen die Landesregierung für diese Zwecke künftig zusätzlich zur Verfügung stellen kann, wird im Rahmen der Haushaltsaufstellungen der nächsten Jahre durch das Parlament zu entscheiden sein.
  • Die Landesregierung strebt an, die Steuerung von Lehrerstellen unter Berücksichtigung des Schulsozialindexes in den nächsten Jahren auszuweiten.