Der Advanced Organizer für eine Aufgabe im Fach Latein zeigt exemplarisch ihren Ablauf.

Spracherwerb digital unterstützen

In die Vergangenheit reisen und gleichzeitig die Vergangenheitstempora des Lateinischen kennenlernen: Das bietet das Blended Learning-Angebot „Macht der Worte“ für die Sekundarstufe I.

[Schule NRW 06-22]

Dass Latein sehr lebendig sein kann, zeigt „Macht der Worte – Wozu können antike Schriftsteller Figuren der römischen Frühzeit nutzen?“. Das Angebot ist eine vollständig ausgearbeitete Lernaufgabe für das Fach Latein, die die Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW) entwickelt hat. In ihr „reisen“ Schülerinnen und Schüler in die Zeit des Kaisers Augustus. Dort begegnen sie den antiken Autoren Vergil und Livius in adaptierten Auszügen aus ihren Werken. Diese lateinischen Texte führen die Schülerinnen und Schüler in eine noch weiter in der Vergangenheit liegende Zeit zurück: Sie erleben einerseits die Flucht des Helden Aeneas aus seiner brennenden Heimatstadt Troia und andererseits die sagenhafte Gründung der Stadt Rom durch ihren ersten König und Helden Romulus. Dabei lernen sie – durch die Lehrkraft moderiert – als neue Phänomene der lateinischen Sprache die Tempora Perfekt und Imperfekt sowie die Wortart Adjektiv kennen („Sprachsystem“) und verstehen ihre Funktionen kontextgebunden: Sie erfahren, dass Perfekt und Imperfekt im Lateinischen anders als im Deutschen verwendet werden, um Vergangenes darzustellen, und dass Adjektive ebenso vielfältig (Attribut, Prädikatsnomen, Adverb) wie im Deutschen genutzt werden, um eine Geschichte spannender zu erzählen.

Die Lernaufgabe ist für ein Blended Learning-Setting auf Logineo NRW LMS konzipiert. Einerseits ist darunter eine Kombination aus analogen und digitalen Medien zu verstehen, andererseits ermöglicht sie eine Mischung aus verschiedenen Lernräumen und -zeitpunkten: im Klassenraum, mobil, zu Hause und synchron beziehungsweise asynchron. Die digital angelegten, automatisiert auswertbaren Übungen schaffen während der Durchführung der Aufgabe für die Lehrkräfte Freiräume. So können sie sich auf kognitiv anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren: Übersetzen, Interpretieren, Reflektieren und Erklären, Moderieren, Beraten etc.

Die Lernaufgabe fällt in die Phase des Spracherwerbs; sie setzt die Vorgaben des jeweiligen Kernlehrplans NRW Latein S I, des Medienkompetenzrahmens und des Referenzrahmens Schulqualität um. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Humboldt Universität zu Berlin und der Universität Bielefeld begleiteten das Projekt fachwissenschaftlich und fachdidaktisch. Zu der Lernaufgabe gibt es ergänzend eine Lehrerhandreichung. Sie beinhaltet Empfehlungen, wie die bereit gestellten Materialien sinnvoll für die eigene Lerngruppe und Lernsituation adaptiert und kombiniert werden können.

Lernaufgaben spielen eine entscheidende Rolle bei der Strukturierung von Lernprozessen: Sie schaffen eine Lernumgebung zur Kompetenzentwicklung. Die Schülerinnen und Schüler durchlaufen ihren individuellen Lernprozess durch eine Folge von gestuften Aufgabenstellungen so, dass sie möglichst eigenständig die Problemstellung entdecken, Vorstellungen entwickeln und Informationen auswerten. Quantität und Komplexität einer Lernaufgabe können stark variieren, jedoch lässt sich jede Lernaufgabe in folgende Phasen aufteilen:

  1. Einstieg (de itinere nostro): Die Schülerinnen und Schüler lernen die Aufgabe kennen, werden dafür sensibilisiert und können ihre offenen Fragen klären.
  2. Arbeitsphase (de Aenea Troiano, de Romulo Romano): Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Bausteine der Lernaufgabe, wobei sie selbstständig ihren Lernweg festlegen. Abgestufte Lernhilfen (zum Beispiel Strategieblätter), Übungen und Bonusstationen zu den jeweiligen Bausteinen unterstützen die Schülerinnen und Schüler in dieser Phasebeziehungsweise bieten weitere Anreize.
  3. Vorbereitung der Präsentation (narratio nostra itineris): Hier tauschen sich die Schülerinnen und Schüler über ihr Lernen und ihren Lernprozess aus und erstellen anschließend ihre Präsentation.
  4. Präsentation/Feedback/Reflexion: Die Schülerinnen und Schüler präsentieren einander ihre Ergebnisse und geben sich gegenseitig Feedback. In einer abschließenden Reflexionsrunde diskutieren sie gemeinsam über die Methode der Lernaufgabe, den eigenen Lernprozess und ihren fachlichen Kompetenzzuwachs.

Eine einsehbare Form des Beispielmoodle-Kurses finden Sie unter:

https://402000.logineonrw-lms.de/blocks/demologin/logindemo.php?course=Latein%20Lernaufgabe%20(Spracherwerbsphase)

 

Die Materialien können als Word-Datei und als gezippter moodle-Kurs (mzb-Datei), auf die eigene Plattform importieren werden. Den Link finden Sie auf der Fachseite Latein der Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule NRW: https://www.schulentwicklung.nrw.de/s/faecher/latein/index.html

 

Ansprechpartnerinnen: Dr. Bianca Roters, Dr. Silke Walpuski, QUA-LiS NRW