Umweltschutz im Distanzprojekt

Wie man aus einem Projekt vor der eigenen Haustür ein bundesweites und digitales macht, zeigen die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Emmerich am Rhein mit ihrem Baumpaten-Projekt.

[Schule NRW 06-22]

Für die Gesamtschule Emmerich am Rhein ist die begleitende individuelle Förderung ein Schwerpunkt ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit. Im Fokus stehen dabei die Stärkung der Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Getragen wird ihr Engagement durch die gemeinsame Grundüberzeugung der Schulgemeinschaft, dass jeder Mensch Potenziale besitzt, die es zu entwickeln und zu fördern gilt. Die Schule setzt dabei sukzessiv auf Lernstrukturen, die auf kollaborierenden und subjektiven Lernsettings beruhen. Auf diese Weise werden die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt immer stärker herausgefordert, ihre persönlichen Potenziale individuell zu entfalten. Dies ermöglichen auf der einen Seite Fach-Bausteine mit sogenannten Lernjobs, die jede Schülerin und jeder Schüler im eigenen Lerntempo bearbeitet. Auf der anderen Seite nimmt das projektbasierte Arbeiten in allen Fächern und Jahrgangsstufen der Schule einen hohen Stellenwert ein. Es bietet den Schülerinnen und Schülern Raum, Gelegenheiten und Möglichkeiten, eigene Erfahrungen gemeinsam zu sammeln und zu reflektieren. Die Schule achtet dabei auf eine gesunde Balance von Lerngelegenheiten in geschützten Lernräumen und an außerschulischen Lernorten.

Die Selbstständigkeit zahlt sich aus. In der Corona-Pandemie waren einige Schülerinnen und Schüler erfinderisch geworden und hatten ihr Projekt „Baumpaten“ weiterentwickelt. Entstanden war die Initiative aus einem Projekt 2019 im Ethikunterricht einer 6. Klasse in der Weiterführung des Themas „Schöpfungsmythen“, in dem der Erhalt der Schöpfung behandelt wurde.

Schnell waren sich die Schülerinnen und Schüler einig, dass sie sich für die Umwelt einsetzen wollen. Konkret fiel ihre Wahl auf die Bäume in ihrer Stadt. Ihnen begegnen sie jeden Tag und sie zeigen den Klimawandel deutlich an. Die Sommer werden länger und heißer, gerade die Stadtbäume leiden unter diesen Veränderungen. Daher begannen die Schülerinnen und Schüler, Baumpaten zu gewinnen. Deren Aufgabe ist es, das Stadtklima dadurch zu verbessern, dass sie einem Stadtbaum ihrer Wahl in den Sommermonaten täglich je nach Bedarf Wasser spenden.

Das Logo "BAUMPATE für unser Klima" zeigt symbolisch eine Person mit bunten Blättern.

Als Dankeschön erhielten die Baumpaten einen vom Projektteam entworfenen Baumpaten-Sticker. Außerdem bekamen die Baumpaten Blumensamen für das Feld unter „ihrem“ Baum. Diese Blumensamen in Form einer „Samenbombe“ fertigten ältere Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schülerfirma KEIMZELLE an. Sie waren es auch, die als Erste über ihre Schülerfirma bei Facebook und Instagram digital weitere Baumpaten anwarben. Sogar auf dem Emmericher Wochenmarkt hatte die Schülerfirma vor der Corona-Pandemie einen Stand, auf dem sie neben dem Verkauf von Produkten ihrer Firma ebenfalls weitere Baumpaten anwerben konnten.

Der Beginn der Pandemie stellte auch dieses Projekt vor neue Herausforderungen. Die Schülerinnen und Schüler stellten sich folgende Frage: „Andere Städte benötigen für ihre Stadtbäume ebenfalls viele Baumpaten, und wir Schülerinnen und Schüler könnten andere Schulen bei der Suche digital begleiten. Aber wie kommen wir an diese Schulen?“ Zunächst versuchten sie mit Hilfe ihrer Eltern und auch einiger Lehrerinnen und Lehrer sowie über Privatkontakte weitere Schulen für ihr Projekt zu gewinnen. Da diese Bemühungen kaum wirkliche Erfolge zeigten, entschieden sie nun deutschlandweit über die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Werbung für ihr Baumpaten-Projekt machen. Sie baten ihren Naturwissenschaftslehrer, der gleichzeitig auch stellvertretender Schulleiter ist, in ihrem Namen einen offiziellen Brief an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zuerst der Städte am Niederrhein, später auch in ganz Deutschland zu verschicken.

Die Resonanz war riesig. Das Projektteam erhielt Antwortschreiben aus vielen Städten Deutschlands. Zusammen mit zwei Lehrern führten die Schülerinnen und Schüler über Video-Chats digitale Beratungsgespräche durch. Über die schuleigene Webseite möchte die Schule auch zukünftig weitere Schulen für die Teilnahme gewinnen und bietet die Möglichkeit, sich bei Interesse auch beraten zu lassen.

Gute Ideen auch groß denken: Die beteiligten Kinder und Jugendlichen wollen auch international in immer mehr Städten Schulen finden, die Baumpaten aktivieren. Daher wurde der Baumpaten-Sticker übersetzt und wird bereits in den Niederlanden und in England eingesetzt.

Die Projektgruppe Baumpaten präsentiert ihr Logo.

Das Projekt ist als ein Distanz-Projekt angelegt und offen für alle Schulen, die daran teilnehmen möchten. Die Schülerinnen und Schüler sind der Überzeugung, durch das gemeinsam Verbindende im Einsatz für die Umwelt auch auf digitalem Wege in ihren Lernprozessen weiterzukommen. Dieser Austausch ist nicht einseitig, denn auch die beteiligten Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen profitierten davon sich mit Jugendlichen aus anderen Städten national und international zu vernetzen: Beispielsweise erfahren sie etwas über die Umweltschutzmaßnahmen in den anderen Städten und die unterschiedlichen Möglichkeiten, dem Klimawandel zu begegnen. Gemeinsamer Umweltschutz als Erfahrungsfeld globaler Anstrengungen – so nachhaltig und vertiefend kann Lernen sein.

 

Weitere Informationen unter: https://www.europe-in-school.eu/baumpaten.

 

Autor: Wolfgang Tyssen, Gesamtschule Emmerich am Rhein

 

Die Gesamtschule Emmerich am Rhein

Die Gesamtschule Emmerich am Rhein wurde vor acht Jahren als Städtische Gesamtschule gegründet und wird 5 bis 7 zügig geführt. Ihr Ziel ist es, sich auf sehr vielseitigen und individuellen Wegen um die bestmögliche Weiterentwicklung aller ihrer Schülerinnen und Schüler zu kümmern. Selbstständiges Lernen in gemeinsamer Verantwortung mit Lernmentoren ist für sie dabei ein wesentlicher Schlüssel. Gefördert wird neben dem klassischen Wissensaufbau das haptische Leisten, die Entwicklung von Organisationstalent und sozialem Miteinander. Die Förderung dieser Begabungen sind auch eine wichtige Grundlage für die Schul- bzw. Unterrichtsentwicklung.

Arbeitsschwerpunkte sind die Bausteine der Fächer, die differenzierendes Lernen ermöglichen, und die Entwicklung von stabilen Beziehungsebenen. In das Schulgebäude integriert ist das JuCa (JugendCafe). Hier werden Kinder und Jugendliche aus ganz Emmerich nach Schulschluss bis 19.00 Uhr von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen betreut, die damit auch etwas für das soziale Miteinander in der Stadt leisten.