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Evaluation des Vorbereitungsdienstes in Nordrhein-Westfalen

15 Jahre wissenschaftliche Begleitung des Vorbereitungsdienstes: Abschlussbericht zur Evaluation liegt vor

Seit der Reform der Lehrkräfteausbildung im Jahr 2011 wird die Umsetzung und Weiterentwicklung des Vorbereitungsdienstes in Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich begleitet. Federführend ist ein Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Dr. Mareike Kunter (DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation). Mit dem nun vorliegenden Abschlussbericht endet die wissenschaftliche Evaluation des Vorbereitungsdienstes zur Ausgangsfrage nach den Auswirkungen der Reform der Lehrkräfteausbildung.

Ausgangspunkt war die Reform des Lehrerausbildungsgesetzes (LABG), mit der unter anderem die Dauer des Vorbereitungsdienstes von 24 auf 18 Monate verkürzt, neue Ausbildungsformate eingeführt und die Verzahnung von Studium, Schule und Zentren für schulpraktische Lehrkräfteausbildung (ZfsL), unter anderem mit der Einführung des Praxissemesters, weiterentwickelt wurden. 

In drei Evaluationsphasen zwischen 2011 und 2025 wurden die Wirkungen dieser Veränderungen untersucht und aktuelle Herausforderungen der Lehrkräftebildung in den Blick genommen. Dazu gehörten zuletzt insbesondere Fragen des Lehrens und Lernens in der digitalen Welt, der Personenorientierung in der Ausbildung sowie der Durchlässigkeit in den Lehrerberuf vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels.

Die Evaluation stützt sich auf umfangreiche Befragungen von Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern, Seminarleitungen, Fachleitungen und Ausbildungslehrkräften an Schulen in Nordrhein-Westfalen. Ergänzend wurden qualitative Fokusgruppen durchgeführt, um Erfahrungen und Entwicklungsperspektiven aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfassen.

Der Abschlussbericht liefert damit eine wissenschaftlich fundierte Bilanz von mehr als einem Jahrzehnt Reformpraxis und gibt zugleich Hinweise für die zukünftige Weiterentwicklung des Vorbereitungsdienstes in Nordrhein-Westfalen.

Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzliche Leistungsfähigkeit und Akzeptanz des reformierten Vorbereitungsdienstes. Die in den vergangenen Jahren eingeführten Ausbildungsstrukturen haben sich etabliert und werden von den Beteiligten mit großer Mehrheit positiv bewertet. Nordrhein-Westfalen bildet seine angehenden Lehrkräfte auf einem sehr hohen Niveau aus.

Die drei Evaluationsphasen liefern keine Hinweise darauf, dass die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes zu einem generellen Qualitätsverlust geführt hat. Bereits die ersten beiden Untersuchungen zeigten eine erfolgreiche Umsetzung der Reform. Die aktuelle Evaluation bestätigt diese Befunde. Attestiert wurde, dass gerade die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter mit hoher Motivation und modernen Vorstellungen von Lehren und Lernen aus dem Studium in den Vorbereitungsdienst starten.

Der Vorbereitungsdienst wird von den meisten Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern als anspruchsvolle Ausbildungsphase erlebt. Die Evaluation zeigt jedoch zugleich, dass die überwiegende Mehrheit ihre Ausbildung insgesamt erfolgreich bewältigt und sich in ihrer professionellen Entwicklung unterstützt fühlt. Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich die Bedeutung einer personenorientierten Ausbildung und einer verlässlichen Unterstützung bei der Bewältigung beruflicher Anforderungen.

Besonders positiv werden Lerngelegenheiten bewertet, die einen engen Bezug zur eigenen Unterrichtspraxis aufweisen. Dazu gehören insbesondere die Beratung und Begleitung durch die Ausbilderinnen und Ausbilder in den Zentren für schulpraktische Lehrkräfteausbildung, der Austausch mit anderen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern sowie die Unterstützung durch Ausbildungslehrkräfte an den Schulen. Die Personenorientierung wird auch in aktuellen Weiterentwicklungen des Vorbereitungsdienstes als zentrales Qualitätsmerkmal hervorgehoben.

Auch wenn die Evaluation zu einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis kommt, werden noch Potenziale benannt, die den Vorbereitungsdienst noch besser machen können. Insbesondere in einer noch engeren Verzahnung der Ausbildung an Schule und ZfsL sehen die Bildungsforscherinnen und -forscher eine lohnenswerte Stellschraube, um das Potential der Ausbildung noch stärker zu entfalten.

Gemeinsam dokumentieren die drei Berichte die bislang umfassendste wissenschaftliche Begleitung der Reform des Vorbereitungsdienstes in Nordrhein-Westfalen und ermöglichen einen fundierten Blick auf die Entwicklung der zweiten Phase der Lehrkräftebildung über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren.