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Podcast-Mini-Serie "Growth Mindset"

Das Konzept des Growth Mindset besagt, dass Fähigkeiten durch Übung, Feedback und Ausdauer veränderbar sind. Menschen mit einem Growth Mindset lernen aus Fehlern, bleiben in herausfordernden Situationen handlungsfähig und übernehmen Verantwortung für ihren Lernweg. Ein Growth Mindset kann so zu einer gemeinsamen Grundlage in Schulkultur und Unterrichtsentwicklung werden. Wie das in die Praxis umgesetzt wurde und wird, darum geht es in dieser Podcast-Miniserie „Growth-Mindset“.

Folge 1: "Growth Mindset im Bildungsland NRW"

Grafische Darstellung einer leuchtenden Glühbirne, die im Begriff ist nicht leuchtende Glühbirnen anzustoßen.
Audio
08:30 Minuten
14. Juli 2026

Mini-Podcast – Growth Mindset im Bildungsland NRW
Aufgezeichnet am 23. Feb. 2026 in der Bibliothek des MSB

[Intro-Musik]

Ralf Dolgner: Herzlich willkommen zu unserer neuen Mini-Podcast-Reihe des Ministeriums für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen. In dieser Reihe geht es um ein Thema, das für die Weiterentwicklung unseres Bildungslandes eine wichtige Rolle spielt: Growth Mindset – die entwicklungsorientierte Haltung in Schule und Unterricht.

Unsere Schulen bewegen sich, ebenso wie unsere Schülerinnen und Schüler, in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, globale Krisen und neue Anforderungen an demokratischer Teilhabe prägen ihren Alltag. Schule, so beschreibt es auch der Schulkompass NRW 2030, soll Lern- und Lebensraum sein, in dem junge Menschen ihre Potenziale entfalten, Verantwortung übernehmen und Zukunft aktiv mitgestalten. Damit das gelingt, braucht es neben fachlichem Wissen vor allem die Überzeugung, dass Entwicklung möglich ist, dass Anstrengung sich lohnt, dass Fehler Lernchancen sind und dass Schule ein Ort ist, an dem Wachstum selbstverständlich dazu gehört.

Im Vorfeld habe ich dazu schon mit Frau Ministerin Dorothee Feller sprechen können, und ihr ist das Folgende wichtig:

Dorothee Feller: Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen nicht nur Wissen, sondern die Zuversicht, dass sie ihre Zukunft gestalten können. Eine entwicklungsorientierte Haltung ist dafür eine wichtige Grundlage.

Ralf Dolgner: Was bedeutet das konkret für unsere Schulen? Wie fügt sich eine entwicklungsorientierte Haltung in die Leitlinien des Bildungslandes NRW ein? Und welche Unterstützung bietet der Innovationsbeirat? Genau darüber spreche ich heute mit Frau Dr. Tanja Reinlein, Leiterin der Abteilung 3 hier im Schulministerium.

Dr. Tanja Reinlein: Guten Tag, Herr Dolgner. Ich freue mich auf unser Gespräch.

Ralf Dolgner: Sowie mit Herrn Engelbert Sanders, Referatsleiter für individuelle Förderung.

Engelbert Sanders: Hallo Herr Dolgner.

Ralf Dolgner: Ja, hallo, herzlich willkommen! Mein Name ist Ralf Dolgner und ich komme aus dem Referat für amtliche Veröffentlichungen und eben die Öffentlichkeitsarbeit. Also, schön, dass Sie beide da sind. Frau Dr. Reinlein, was verstehen wir denn in Nordrhein-Westfalen unter Growth Mindset und warum ist diese Haltung gerade jetzt besonders relevant?

Dr. Tanja Reinlein: Growth Mindset bedeutet ja, dass Fähigkeiten, Intelligenz, Talente etc. nicht festgelegt sind, sondern dass sie sich durch Anstrengung, wirksame Strategien, Feedback und Übung weiterentwickeln lassen. Und im Bildungsland NRW verstehen wir Growth Mindset nicht nur als individuelle Lernhaltung von Schülerinnen und Schülern, sondern als gemeinsame, professionelle und vor allem entwicklungsorientierte Haltung – und zwar von Lehrkräften, Schulleitungen, Schulaufsicht und überhaupt für das System insgesamt. Das kann übrigens auch sehr entlastend sein, zu sagen: „Das oder das kann ich noch nicht, aber ich will es lernen.“

Und gerade in einer Zeit ständiger Veränderungen ist es entscheidend, dass junge Menschen erleben: Ich kann wachsen, ich kann lernen, ich kann Herausforderungen bewältigen, und man traut mir das zu. Studien zeigen: Growth Mindset stärkt Motivation, Resilienz und Selbstwirksamkeit. Und das sind zentrale Voraussetzungen, auch für Bildungsgerechtigkeit.

Ralf Dolgner: Wo sehen Sie denn die Verbindung zwischen Growth Mindset und den Leitlinien des Schulkompasses NRW 2030?

Dr. Tanja Reinlein: Also der Schulkompass beschreibt Schulen ja gerade als lernende Organisationen. Growth Mindset wiederum ist eine Haltung, die begünstigt, dass die Weiterentwicklung in den Mittelpunkt gerückt wird. Denn Potenzialentfaltung, individuelle Förderung und Zukunftsgestaltung setzen voraus, dass Entwicklung grundsätzlich für möglich gehalten wird – fachlich ebenso wie in sozial-emotionaler Hinsicht. Und wenn wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen – für sich, für die Schule und auch für die Gesellschaft –, dann müssen wir ihnen auch zutrauen zu wachsen und sie gezielt dabei begleiten. Bei Growth Mindset handelt es sich daher um eine bewusste Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen, und damit ist das eine zentrale Leitidee des Bildungslandes NRW.

Ralf Dolgner: Herr Sanders, welche Rolle spielt Growth Mindset denn im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht?

Engelbert Sanders: Growth Mindset kann auf verschiedenen Ebenen Entwicklung ermöglichen, anstoßen und stärken. Auch Prozesse der Schulentwicklung profitieren von einer Haltung der Beteiligten, die von einer großen Bereitschaft zur Erprobung und Veränderung geprägt ist. Wichtig erscheint mir, dass alle Beteiligten bereit sind, Prozesse und Wirkungen kritisch zu hinterfragen und dabei auch Erfolgreiches auszuweiten, aber auch Unpassendes zu korrigieren und gegebenenfalls zu beenden – und diesen gemeinsam verantworteten Weg als Erfolg wahrzunehmen.

Das gilt insbesondere, wenn Erprobungen nicht oder nur teilweise zur erhofften Wirkung führen, aber neue Erkenntnisse und veränderte Herangehensweisen ermöglichen. Wenn Schulleitungen, Lehrkräfte und alle weiteren Beteiligten der eigenen Schule Entwicklung zutrauen, stellen sie sich anspruchsvollen Aufgaben, beteiligen sich stärker an der Gestaltung einer möglichen Weiterentwicklung und überprüfen Veränderungen kritisch. Wenn in derartige Erprobungs- und Entwicklungsprozesse auch die Perspektiven von Schülerinnen und Schülern systematisch einbezogen werden, stärkt das sowohl die Entwicklungsprozesse als solche und gleichzeitig auch die Motivation und Identifikation der Lernenden.

Ralf Dolgner: Growth Mindset betrifft also die Schule als System und die Haltung den Lernenden gegenüber. Welche Wirkungen können sich bei Schülerinnen und Schülern denn einstellen?

Engelbert Sanders: Lernende sind häufig sehr gut in der Lage zu erkennen, ob eine gemeinsame Haltung im Kollegium, in der Schulleitung, im multiprofessionellen Team erfahrbar wird. Wenn auf der einen Seite eine entwicklungsoffene, potenzialorientierte Schulentwicklung sichtbar wird, die mit echter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler verbunden ist, und auf der anderen Seite eine potenzialorientierte Haltung den Lernenden gegenüber, dann verstärken sich diese Elemente gegenseitig. Diese Kohärenz kann sich auf Identifikation, Motivation und Leistungsbereitschaft auswirken.

Erfolgreiche individuelle Lernentwicklungen profitieren von Gelegenheiten zum Umgang mit neuen, auch anspruchsvollen Anforderungen, zum Ausprobieren, Zum Reflektieren und zum Lernen aus Erfahrung. Eine durch Growth Mindset geprägte Schulkultur kann Lernende dabei unterstützen, sich als Akteure ihres Lernprozesses zu erleben und Verantwortung für die eigene Kompetenzentwicklung zu übernehmen.

Ralf Dolgner: Und genau dazu habe ich mit Frau Ministerin Feller im Vorfeld dieses Podcasts auch gesprochen. Hören wir mal kurz rein, was sie sagt:

Dorothee Feller: Wenn wir möchten, dass Schule ein Ort des Lernens und Wachsens ist, dann müssen wir diese Haltung im gesamten System verankern – von der Unterrichtspraxis bis zur Schulentwicklung.

Ralf Dolgner: Welche konkreten Unterstützungsangebote stellt der Innovationsbeirat parat, Frau Dr. Reinlein?

Dr. Tanja Reinlein: Also, wir haben ja jetzt eine Podcast-Reihe, und in der nächsten Folge stellen wir sogenannte Quick Wins vor – kleine, sofort umsetzbare Impulse für die Schule. Und in einer weiteren Folge nehmen wir Sie mit in die Praxis und zeigen, wie Coaching-Gespräche ein Growth Mindset im Schulalltag konkret stärken können. Ziel ist es, Growth Mindset nicht abstrakt zu diskutieren, sondern vor allen Dingen konkret erlebbar zu machen.

Ralf Dolgner: Ja, vielen Dank für diese Einblicke. Wir haben heute gehört: Growth Mindset ist mehr als ein pädagogischer Begriff. Es ist eine Haltung, die Lernen als Entwicklungsprozess versteht – für Schülerinnen und Schüler, für Lehrkräfte und für Schulen als Ganzes. Damit knüpft es unmittelbar an die Leitlinien des Bildungslandes NRW und den Schulkompass 2030 an.

In den nächsten beiden Folgen werden wir dann noch konkreter. Schulleitungen berichten aus ihrer Praxis, Schülerinnen und Schüler schildern ihre Erfahrungen, und wir stellen Ihnen praxisnahe Quick Wins sowie Coaching-Impulse für Ihre Schulentwicklung vor. Bleiben Sie also dran! Wir freuen uns, wenn Sie auch in der nächsten Folge wieder dabei sind und zuhören.

[Outro-Musik]

Folge 2: "Quick Wins"

Grafische Darstellung einer leuchtenden Glühbirne, die im Begriff ist nicht leuchtende Glühbirnen anzustoßen.
Audio
05:46 Minuten
14. Juli 2026

Aufgezeichnet am 5. März 2026 in der Bibliothek des MSB

[Intro-Musik]

Christof Haering: Unsere Schulen stehen inmitten gesellschaftlicher Veränderungen und sehen sich zugleich neuen Anforderungen gegenüber. Das Bildungsland NRW bietet mit dem Schulkompass NRW und dem Impulspapier II Orientierung für eine gemeinsame Weiterentwicklung von Schule. Eine solche Orientierung zeigt sich auch in der Stärkung einer wachstumsorientierten Haltung. Die Entwicklung eines Growth Mindset hilft, eine wachstumsorientierte Haltung anzustoßen, und trägt dazu bei, unsere Schülerinnen und Schüler mental stark für die Zukunft zu machen. Wir wissen aber auch: Der Schulalltag lässt oft wenig Raum für umfangreiche theoretische Konzepte.

[Musik wird lauter und blendet über]

Ralf Dolgner: Und damit herzlich willkommen zu unserem zweiten Teil der Mini-Podcast-Reihe Growth Mindset – die entwicklungsorientierte Haltung in Schule und Unterricht. Die Stimme, die Sie zu Beginn gehört haben, ist von Christof Haering vom Landfermann-Gymnasium in Duisburg.

Mein Name ist Ralf Dolgner aus dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Heute möchten wir zusammen mit Schülerinnen und Schülern sowie Schulleitungen sogenannte Quick Wins vorstellen – einfache Impulse für den schulischen Alltag.

Ein zukunftsfähiges Schulkonzept lebt ja von Zusammenarbeit, auch mit Eltern. Der Quick Win „Eltern-Mitwirkung“ zeigt, wie Beteiligung gelingen kann. Eltern und Erziehungsberechtigte werden aktiv in Arbeitsgruppen der Schulentwicklung eingebunden, von Projektteams bis hin zu pädagogischen Tagen. Transparenz schafft Vertrauen und stärkt die Zusammenarbeit. Und bei uns ist Frau Schulte-Kramm von der Städtischen Katholischen Hauptschule Sankt Benedikt in Düsseldorf. Was bewirkt eine Elternbeteiligung Ihrer Meinung nach?

Frau Schulte-Kramm: Wenn Eltern echte Mitgestaltung erleben, entsteht etwas Neues: ein spürbares Wir-Gefühl. Transparenz schafft Vertrauen, und aus vielen Einzelstimmen wird ein starkes Team, das Schule gemeinsam weiterdenkt. In dieser offenen, wertschätzenden Atmosphäre wachsen Zusammenhalt und Verantwortung füreinander. So wird Schule nicht nur organisiert, sondern gemeinsam getragen. Und auch unsere Schülerin en hat dazu eine Meinung.

Jinen: Ich finde es gut, wenn auch Eltern sehen, wie Schule funktioniert. Denn dann verstehen sie besser, was hier gemacht wird.

Ralf Dolgner: Schule ist ja Beziehungsarbeit und manchmal auch Überforderung. Mit der „Ressourcenkarte“ zeigen sie einen Quick Win, der Sicherheit gibt. Herr Haering vom Landfermann-Gymnasium, stellen Sie uns solch ein Konzept doch bitte einmal vor.

Christof Haering: Wenn eine Situation zu belastend wird, kann Unterstützung gerufen werden. Kolleginnen und Kollegen kommen sofort und fragen nur: „Was brauchst du?“ Ein klares Verfahren, das schützt und Vertrauen im Team stärkt. Allein zu wissen, dass Hilfe schnell kommt, verändert die Zusammenarbeit. Früher haben sich Kolleginnen und Kollegen bis zur Erschöpfung durchgebissen. Eine Ressourcenkarte ziehen zu können, ohne Geringschätzung zu erfahren, gibt Sicherheit und kann auch das Klima im Lehrerzimmer deutlich entspannen.

Ralf Dolgner: Schulentwicklung wird oft geplant, aber selten gemeinsam erlebt. Frau Schulte-Kram, skizzieren Sie diese Idee doch bitte einmal.

Frau Schulte-Kramm: Einmal im Quartal arbeiten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung gemeinsam an Schulentwicklungsfragen: Lernräume, Feedbackkultur oder Digitalisierung. Mit Methoden wie Barcamp oder World-Café wird Beteiligung lebendig und Demokratie praktisch erfahrbar. Die Qualität der Ideen überrascht mich jedes Mal. Schulentwicklung geht so für alle sichtbar voran.

Ralf Dolgner: Ja, und bei uns sind auch Butrint und Ibrahim. Wie erleben denn Schülerinnen und Schüler solche Formate, Butrint?

Butrint: Ich finde gut, dass wir nicht nur gefragt werden, sondern wirklich mitentscheiden. Das fühlt sich ernsthaft an.

Ibrahim: Früher dachte ich, Schule wird über unseren Kopf hinweg gemacht. Jetzt merke ich, meine Meinung verändert tatsächlich, wie unsere Schule vom Aussehen her aussieht.

Ralf Dolgner: Ja, wunderbar, danke. Lernen beginnt ja mit Sprache. Growth Mindset Satzstarter helfen dabei, Anstrengung, Fehler und Entwicklung als normale Teile des Lernens zu begreifen. Frau Schulte-Kramm, führen Sie diese Idee doch bitte einmal weiter aus.

Frau Schulte-Kramm: Zum Beispiel Sätze wie „Ich kann es noch nicht“ oder „Gut an meinem Fehler finde ich...“ verändern den Blick auf Leistung und auch auf sich selbst. Der Effekt: mehr Reflexion über Lernprozesse und eine stärkere Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit. Schülerinnen und Schüler sprechen plötzlich über das Lernen, nicht nur über die Noten, und wir merken, dass die Satzstarter die Gespräche im Unterricht komplett verändert haben. Sie transformieren die Fehlerkultur von einer Defizitorientierung hin zu einer Entwicklungschance.

Ralf Dolgner: Die vorgestellten Quick Wins zeigen also beispielhaft, wie sich eine entwicklungsorientierte Haltung im Schulalltag konkret unterstützen lässt. Sie bieten Anregungen für Schulen, die Zusammenarbeit zu stärken, Lernprozesse bewusst zu begleiten und Schulentwicklung gemeinsam zu gestalten.

In der nächsten Folge beschäftigen wir sich mit dem Coaching als einem Schlüssel für Growth Mindset. Also, schalten Sie gerne wieder ein. Wir hören uns!

[Outro-Musik]

Folge 3: "Coaching"

Grafische Darstellung einer leuchtenden Glühbirne, die im Begriff ist nicht leuchtende Glühbirnen anzustoßen.
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06:00 Minuten
14. Juli 2026

Aufgezeichnet am 5. März in der Bibliothek des MSB

[Intro-Musik]

Ralf Dolgner: Hallo und herzlich willkommen zu unserer dritten Folge in unserer Podcast-Reihe aus der Reihe Growth Mindset im Bildungsland NRW. Mein Name ist Ralf Dolgner aus dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ – und doch sind Gespräche zwischen Lernenden und Lehrenden oft von Ermahnungen und Leistungsdruck geprägt. Wie kann das besser gelingen? Wie kann man das besser machen? Genau dazu werfen wir heute einen Blick auf Coaching von Schülerinnen und Schülern als wirksamen Weg, Growth Mindset im Schulalltag zu leben – eine Haltung, die an Entwicklung und Wachstum glaubt. Genau dazu sprechen wir mit Schulleitungen.

Fangen wir an mit Herrn Piek vom Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln. Was ist Coaching überhaupt?

Michael Piek: Coaching bedeutet ein persönliches, lösungsorientiertes Gespräch zwischen Lehrkraft und Schüler und Schülerin. Es geht nicht um Noten, sondern um Ziele, Ressourcen und nächste Schritte. Auf Augenhöhe lernen Schülerinnen und Schüler, ihren Lernprozess zu planen, Fortschritte einzuordnen und Verantwortung zu übernehmen. Kurz: Stärken erkennen, Ziele setzen, Lösungen entwickeln.

Ralf Dolgner: Und was hat das denn mit Growth Mindset zu tun?

Michael Piek: Eine ganze Menge! Das Growth Mindset – also der Glaube daran, dass man sich mit Anstrengung, Strategien und Unterstützung weiterentwickelt –, dass man dafür an Vorhandenes und Erreichtes anknüpfen kann, dass man gemeinsam eine Haltung hat, die an dieses Wachsen glaubt, und dass man bei allen gesehenen Hindernissen immer nach Lösungen sucht, wird im Coaching ganz konkret erfahrbar. Die Schülerinnen und Schüler erleben: „Ich bin selbst Expertin oder Experte für meine Themen. Ich darf und ich kann wachsen. Ich werde gehört und gestalte meinen Weg.“ So werden auch Fehler nicht mehr als Scheitern, sondern als wertvoller Teil des Lernprozesses erlebt.

Ralf Dolgner: Herr Haering vom Landfermann-Gymnasium in Duisburg: Wie könnte das konkret aussehen?

Christof Haering: Coaching ist an unseren Schulen fest verankert und findet in ruhigen, geschützten Räumen und nicht in der Alltagshektik statt. Im Gespräch selbst geht es – in einem strukturierten Ablauf, der immer wieder nach realistischen Ressourcen sucht – um das, was die Schülerinnen und Schüler bewegt. Manche sprechen über schulische Ziele, andere über Herausforderungen im Ausbildungsbetrieb oder über persönliche Themen. Das Berufs- und Lebensziel insgesamt wird durchaus in den Blick genommen. Die Lehrkraft hilft mit gezielten Fragen, bleibt aber bewusst zurückhaltend mit Ratschlägen. Der Schüler oder die Schülerin entwickelt selbst die Ideen und damit auch Selbstvertrauen.

Ralf Dolgner: Wie kommt das denn an Ihren Schulen an?

Michael Piek: Schülerinnen und Schüler melden immer wieder zurück, dass Coaching ihnen hilft – sei es bei Problemen, bei der Zielorientierung oder beim Wohlbefinden. Viele empfinden es als wohltuend, endlich mal über das sprechen zu können, was wirklich zählt, ohne Leistungsdruck, mit ihnen alleine im Mittelpunkt. Das stärkt nicht nur die Einzelnen, sondern wirkt sich auch auf das Klassenklima positiv aus. Und es stärkt die Schüler-Lehrkraft-Beziehung, weil die Schülerinnen und Schüler merken: Der Lehrkraft geht es wirklich und realistisch um mich.

Ralf Dolgner: Herr Haering, wo liegen denn dabei die Herausforderungen?

Christoph Haering: Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Manchmal fehlt Zeit, manchmal fallen Stunden aus, manchmal fehlt die Kontinuität, manchmal können Lehrkräfte und Lernende nicht gut miteinander oder es steht nicht genug Personal zur Verfügung. Einige Schülerinnen und Schüler sind anfangs skeptisch oder lehnen das Angebot ab – und das soll man auch akzeptieren. Aber ganz oft ändert sich das, wenn alle erleben, was Coaching wirklich bewirken kann.

Ralf Dolgner: Und wie bereiten sich die Lehrkräfte darauf vor?

Christof Haering: Durch gezielte Qualifizierung: interne Workshops, Supervision, externe Fortbildungen – etwa zu systemischer Gesprächsführung. Coaching-Teams unterstützen mit Materialien und Austausch. Viele Schulen arbeiten zudem im Netzwerk über mehrere Jahre zusammen.

Ralf Dolgner: Und Sie beide mal gefragt: Warum ist Coaching Teil unserer Schulentwicklung?

Christof Haering: Weil individuelle Begleitung immer wichtiger wird.

Michael Piek: Weil Beziehungen zentral für Bildungserfolg sind.

Christof Haering: Weil Persönlichkeitsentwicklung gelingt, wenn Lernende sich gesehen und ernst genommen fühlen.

Michael Piek: Und weil Coaching Selbstorganisation, Gesundheit, Verantwortung, Beziehungsarbeit und Demokratiekompetenz fördert. Es ergänzt das Lernen im Unterricht und macht Schülerinnen und Schüler stark für eine Welt, die von Veränderung geprägt ist.

Christof Haering: Und weil es uns Lehrkräften selbst gut tut – als Menschen, die andere Menschen zu ihrem eigenen Ziel begleiten und die dadurch auch Selbstwirksamkeit und Sinn im Lehrerdasein empfinden.

Ralf Dolgner: Was können andere Schulen denn daraus lernen?

Michael Piek: Coaching ist keine Zusatzidee, sondern kann Kernbestandteil moderner Schulen sein. Es braucht Offenheit, Qualifizierung und die Bereitschaft, Zeit für Gespräche zu schaffen. Die Wirkung ist spürbar, nachhaltig und vor allem menschlich.

Ralf Dolgner: Wunderbar. Coaching also verändert Schule spürbar und grundlegend – und vielleicht ja auch bald an Ihrer Schule. Erstmal vielen Dank fürs Zuhören und bis bald bei einer nächsten Folge.