Strukturierte KI-Integration in der Berufsbildung: Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg mit Hermann-Schmidt-Sonderpreis ausgezeichnet
Das Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg (GKB) des Rhein-Sieg-Kreises hat für sein schulisches Gesamtkonzept „KI am GKB“ einen Sonderpreis des Hermann-Schmidt-Preises 2025 erhalten. Die Auszeichnung wurde am 27. Januar 2026 im Rahmen der Bildungskonferenz des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn verliehen. Der Preis würdigt innovative Modelle, die die Berufsbildungspraxis nachhaltig weiterentwickeln und als Orientierungshilfe für andere Bildungseinrichtungen dienen können.
Ganzheitliche Strategie: Didaktik vor Technik
Das GKB, an dem rund 160 Lehrkräfte etwa 2.100 Lernende unterrichten, verfolgt seit 2023 einen systematischen Ansatz zur Integration Künstlicher Intelligenz. Das Konzept basiert auf der Prämisse, dass die Einführung von KI-Tools nur dann lernwirksam ist, wenn sie in ein fachdidaktisches und ethisches Gerüst eingebettet wird.
Ein zentraler Baustein sind datenschutzkonforme KI-Umgebungen. Durch die Kooperation mit Partnern wie DigitalErleben und Localmind werden DSGVO-konforme „KI-Coworker“ eingesetzt. Diese digitalen Assistenten ermöglichen eine Individualisierung von Lernprozessen auf Basis schulspezifischer Daten, insbesondere in heterogenen Klassenverbänden kann dies zur Differenzierung genutzt wird.
Rollenwandel und Professionalisierung des Kollegiums
Für die Schulleitung steht die pädagogische Beziehung weiterhin im Zentrum. Der Einsatz von KI führt jedoch zu einer Akzentuierung der Lehrerrolle:
„Unser Schulentwicklungsziel ist die Steigerung der Abschlussquoten mit konkreten Anschlussmöglichkeiten. Hier rückt die individuelle Förderung und Begleitung der Lernenden in den Vordergrund“, erläutert die Schulleitung des GKB. „KI-Assistenten und Tutorensysteme entlasten die Lehrkraft nicht von ihrer Verantwortung, sondern verändern ihre Rolle hin zum Lerncoach. In den Phasen des KI-Einsatzes rücken Begleitung, Dialog und gezieltes Feedback in den Vordergrund, während die Lernenden zunehmend selbstgesteuerte Lernformen erproben.“
Um das Kollegium auf diesen Wandel vorzubereiten, setzt die Schule auf eine kontinuierliche Fortbildungskultur. Durch pädagogische Tage, praxisnahe Workshops und regelmäßig insbesondere durch die Digitalisierungsbeauftragte bereitgestellte Handreichungen wird ein professioneller und reflektierter Umgang mit der Technologie innerhalb des Teams sichergestellt.
Handlungsorientierung in der Technik-Scout-AG
Neben der unterrichtlichen Nutzung bietet die „Technik-Scout-AG“ einen Raum für projektorientiertes Arbeiten. Hier setzen sich Lernende aktiv mit generativer KI auseinander, indem sie eigene Anwendungen entwickeln. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Vermittlung von Medienkompetenz: Die Schülerinnen und Schüler lernen, Quellen kritisch zu prüfen, KI-Inhalte zu kennzeichnen und die ethischen Grenzen der Systeme zu reflektieren.
Infrastruktur und Netzwerkarbeit
Die technische Basis bildet eine Ausstattung vom Schulträger, dem Rhein-Sieg-Kreis. Die 1.100 zur Verfügung gestellten Surface-Geräte ermöglichen eine verlässliche Nutzung im Unterricht. Das GKB versteht sein Konzept explizit als Transfermodell. Über Netzwerke wie die Deutsche Telekom Stiftung und das Projekt „Mathematik am Berufskolleg neu denken“ (in Zusammenarbeit mit dem Schulministerium NRW) werden erprobte Materialien und Erfahrungen an andere Schulen weitergegeben.
Der seit 1996 verliehene Hermann-Schmidt-Preis unterstreicht mit dieser Verleihung die Bedeutung systematischer Schulentwicklung im Kontext der digitalen Transformation.