Herkunftssprachlicher Unterricht

Der Herkunftssprachliche Unterricht (HSU) für Schülerinnen und Schüler mit internationaler Familiengeschichte ist fester Bestandteil der Integrationspolitik in NRW. Die Durchführung des HSU für Kinder und Jugendliche, die öffentliche Schulen besuchen, ist Aufgabe des Landes.

Der HSU ist ein Angebot in der Primarstufe und Sekundarstufe I für Schülerinnen und Schüler mit internationaler Familiengeschichte, die in Deutsch und in mindestens einer weiteren Sprache aufwachsen. In der Sekundarstufe II wird er soweit möglich in ein Fremdsprachenangebot überführt.

Die Bedeutung des HSU wird in zwei Gesetzen hervorgehoben:

  • § 2 Abs. 10 Schulgesetz bestimmt: „Die Schule fördert die Integration von Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, durch Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache. Dabei achtet und fördert sie die ethnische, kulturelle und sprachliche Identität (Muttersprache) dieser Schülerinnen und Schüler.“
  • § 2 Abs. 3 Teilhabe- und Integrationsgesetz bestimmt: „Das Erlernen der deutschen Sprache ist für das Gelingen der Integration von zentraler Bedeutung und wird daher gefördert. Dabei ist das eigene Engagement beim Spracherwerb unerlässlich und zu fördern. Die Wertschätzung der natürlichen Mehrsprachigkeit ist ebenfalls von besonderer Bedeutung.“

Darüber hinaus ist der HSU in den Ausbildungsordnungen für die Primarstufe (§ 3 Absatz 4 AO-GS) und für die Sekundarstufe I (§ 5 APO-S I) und in den Stundentafeln verankert.

Für den HSU gibt es einen Lehrplan für die Jahrgänge 1 bis 4 und 5 und 6 sowie einen Lehrplan für die Sekundarstufe I. Der Lehrplan gilt für alle Sprachen.

Die konkrete Umsetzung des HSU ist im Erlass „Herkunftssprachlicher Unterricht“ vom 28.6.2016 (BASS 13 – 61 Nr. 2) geregelt.

Aufgrund des wahrnehmbar gestiegenen Interesses von Seiten der Eltern- und Lehrerverbänden am HSU, erfolgte eine entsprechende Berücksichtigung der gestiegenen Bedarfe für den HSU bei der Haushaltsanmeldung 2019. Der Haushalt 2019 sah 50 zusätzliche Stellen für den HSU vor. Im Rahmen des Masterplan Grundschule wurden ab dem Schuljahr 2021/2022 für das Landesprogramm „Grundschulbildung stärken durch HSU – Mehrsprachigkeit unterstützt den Bildungserfolg der Kinder“ 70 Stellen zusätzlich zur Verfügung gestellt, so dass insgesamt 1.006 Stellen im HSU bereitstehen.

Zurzeit gibt es in Nordrhein-Westfalen HSU in folgenden 25 Sprachen: Albanisch, Arabisch, Aramäisch, Bosnisch, Bulgarisch, Chinesisch, Farsi/Dari, Griechisch, Italienisch, Koreanisch, Kroatisch, Kurmanci, Sorani, Zaza (jeweils kurdische Sprachen), Mazedonisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Romanes, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch und Twi.

Am HSU nahmen in NRW im Schuljahr 2020/2021 insgesamt 104.358 (2018/2019 97.787) Schülerinnen und Schüler teil.

Es gelten folgende allgemeine Vorgaben für den Herkunftssprachlichen Unterricht:

  • Der HSU umfasst in der Regel bis zu fünf Wochenstunden. Der Unterricht „soll so weit wie möglich mit dem Unterricht in den Fächern sowie mit außerunterrichtlichen Angeboten, insbesondere im Ganztag, verknüpft werden.“ (Nummer 1.2 des Erlasses).
  •  Aufgabe des Unterrichts ist es, auf der Grundlage des gültigen Lehrplans Fähigkeiten in einer Herkunftssprache in Wort und Schrift aufzubauen, zu erhalten, zu erweitern, wichtige interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln und mehrsprachiges Lernen zu ermöglichen. (Nummer 1.3 des Erlasses)
  • HSU wird eingerichtet, wenn in der Primarstufe mindestens 15 und in der Sekundarstufe I mindestens 18 Schülerinnen und Schüler mit derselben Herkunftssprache angemeldet werden. Möglich sind nach Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde auch schulform- und schulübergreifende Lerngruppen. (Nummern 2 bzw. 3 des Erlasses)
  • Die im HSU erteilte Leistungsnote wird in das Zeugnis unter Bemerkungen aufgenommen. In den Zeugnissen der Schuleingangsphase der Grundschule wird statt der Leistungsnote eine Aussage über die Lernentwicklung im Herkunftssprachlichen Unterricht bei „Hinweise zu den Lernbereichen/Fächern“ aufgenommen.
  • Am Ende des Besuchs des HSU nach Klasse 9 oder 10 steht eine Sprachprüfung. Das Ergebnis der Sprachprüfung wird im Abschlusszeugnis bescheinigt. Dabei wird unter „Leistungen“ die Prüfungsnote und unter „Bemerkungen“ angegeben, dass die Note auf einer Sprachprüfung nach der Teilnahme am HSU beruht und auf welcher Anspruchshöhe sie abgelegt wurde. Bei der Vergabe der Abschlüsse kann eine mindestens gute Leistung in der Sprachprüfung eine mangelhafte Leistung in einer Fremdsprache ausgleichen (§ 5 Absatz 3 APO S I). Bei Erreichen einer mindestens ausreichenden Gesamtnote in der Sprachprüfung auf dem Anspruchsniveau des mittleren Schulabschlusses kann diese Sprache in der gymnasialen Oberstufe als fortgeführte Fremdsprache belegt werden. (Nummer 5.4 des Erlasses). Über die Sprachprüfung (Feststellungsprüfung) informiert ebenfalls eine FAQ-Liste.
  • Der HSU wird von Lehrkräften erteilt, die Bedienstete des Landes Nordrhein-Westfalen sind. Die staatlichen Vorgaben über die Unterrichtsinhalte sowie die staatliche Schulaufsicht gewährleisten lehrplangerechten Unterricht. Die erforderlichen Kompetenzen der Lehrkräfte sind in Nummer 6 des o.g. Erlasses geregelt, u.a. Kompetenzstufe C 1 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen des Europarates (GeR). Die Herkunftsstaaten haben keinen Einfluss auf die Auswahl und Arbeit der Lehrkräfte.