Fast 4.000 künftige Lehrerinnen und Lehrer starten landesweit in ihren Vorbereitungsdienst
Ministerpräsident Wüst und Schulministerin Feller begrüßen in Lüdenscheid mehr als 200 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter persönlich
Die Landesregierung teilt mit:
In der Historischen Schützenhalle Lüdenscheid begrüßten am Mittwoch, 21. Oktober 2026, Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller rund 200 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter (LAA). Beide waren beim Diensteid dabei, den die künftigen Lehrkräfte zu Beginn ihres Vorbereitungsdienstes ablegen. Mit ihrer Teilnahme zollen der Ministerpräsident und die Ministerin allen fast 4.000 in Nordrhein-Westfalen startenden angehenden Lehrkräften Anerkennung und Wertschätzung. Diese Zahl ist der Höchstwert der vergangenen Jahre – und sie bestätigt den generellen Trend, dass sich im Land immer mehr junge Menschen dafür entscheiden, Lehrerin oder Lehrer zu werden. Im vergangenen November traten rund 3.500 LAA ihren Vorbereitungsdienst an. Insbesondere im Lehramt Grundschule steigen die LAA-Zahlen seit Jahren deutlich an. Waren es im Jahr 2022 noch landesweit 600 Dienstantritte, hat sich die Zahl nunmehr auf fast 800 erhöht. Generell hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen umgesetzt und eingeleitet, um deutlich mehr Personal an die Schulen zu bringen. So hat das Land mehr als 30.000 Menschen dauerhaft in den Schuldienst neu eingestellt, darunter rund 25.000 Lehrkräfte. Heute arbeiten 12.600 Menschen mehr an unseren Schulen als noch vor vier Jahren.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Kinder und Jugendliche haben für uns in Nordrhein-Westfalen oberste Priorität. Jedes Kind soll seine Talente entfalten und seinen eigenen Weg gehen können – unabhängig von seiner Herkunft oder den Möglichkeiten seiner Eltern. Dafür tragen wir gemeinsam Verantwortung. Gute Bildung eröffnet Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben und ist eine unverzichtbare Grundlage für eine starke Demokratie. Dafür brauchen wir engagierte und gut ausgebildete Lehrkräfte. Sie vermitteln Wissen, fördern kritisches Denken und machen unsere Schulen zu Orten, an denen junge Menschen Demokratie erleben. Jede zusätzliche Lehrerin und jeder zusätzliche Lehrer stärkt die Zukunftschancen unserer Kinder. Mit ihrem Diensteid bekennen sich die angehenden Lehrkräfte zu unserer Verfassung und übernehmen eine besondere Verantwortung: Unsere Gesellschaft vertraut ihnen das Wertvollste an, das sie hat – ihre Kinder und ihre Zukunft. Dafür danke ich ihnen von Herzen. Wir brauchen ihren Einsatz und ihre Freude daran, junge Menschen stark zu machen. Herzlich willkommen im Team Nordrhein-Westfalen!“
Schulministerin Dorothee Feller: „Es ist eine sehr gute Nachricht, dass wir immer mehr LAA in Nordrhein-Westfalen begrüßen dürfen. Diese vermitteln nicht nur Wissen und wichtige Kompetenzen. Sie prägen auch die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler und ihren Blick auf die Welt maßgeblich – vor allem durch die Art und Weise, wie sie den Unterricht für und mit jungen Menschen gestalten. Kaum eine andere Berufsgruppe kann von sich behaupten, einen solch positiven Einfluss auf junge Menschen und letztlich auf unsere Gesellschaft zu haben. Denn Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler ernst nehmen und an partizipativen Prozessen beteiligen, zeigen damit schon zu einem frühen Zeitpunkt, was eine freiheitliche demokratische Grundordnung ausmacht und leisten damit auch einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Demokratie.“
Nicole Korb, Leiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Lüdenscheid, sagte zu den anwesenden LAA: „Sie können Kindern und Jugendlichen vorleben, dass Respekt stärker ist als Ausgrenzung, dass Neugier stärker ist als Vorurteil und dass es sich lohnt, sich mit Begeisterung für Schülerinnen und Schüler und für eine offene und demokratische Gesellschaft einzusetzen. Damit tragen Sie als Lehrkräfte auch dazu bei, unsere Demokratie zu stärken und zu bewahren. Das ist eine große Verantwortung. Aber es ist auch ein großes Privileg dieses Berufes.“ Die künftigen Lehrkräfte werden in Lüdenscheid in den Lehrämtern Grundschule, sonderpädagogische Förderung, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschule ausgebildet.
Im Rahmen der Vereidigungsfeier präsentierte Nicole Korb den fast 200 jungen Frauen und Männern ihr Seminarleitungsteam mit Dr. Judith Vriesen, Dr. Sandra Mubaraka und Ralf Schnetz. Dr. Mubaraka, Seminarleiterin für sonderpädagogische Förderung, betont, dass am ZfsL Lüdenscheid der gemeinschaftliche Gedanke das Ausbildungsgeschehen prägt: „Uns ist es wichtig, dass die LAA von vielen lehramtsübergreifenden Tagen profitieren, in denen es etwa um Vielfalt, Unterrichtsqualität oder auch die Perspektiven im Lehramtsberuf geht.“ Jede Seminarleitung begrüßt die neuen Lehramtsanwärterinnen und Lehramtswärter mit starken Symbolen, um deutlich zu machen, dass die Ausbildung Herausforderungen beinhaltet, aber immer eng vom Lehrpersonal im ZfsL und den Partnerschulen begleitet stattfindet. Dr. Mubaraka wählt dafür gegenüber den LAA das Bild einer Reise, die losgeht. Auf dieser Tour durch die Ausbildung nimmt jeder Dinge nach Bedarf mit, packt Souvenirs ein – und steht am Ende mit einem üppig mit Rüstzeug gefüllten Rucksack vor den Kindern und Jugendlichen. Der Vorbereitungsdienst in Lüdenscheid ist bestimmt durch „Respekt, Neugier, Begeisterung“. Die drei handlungsleitenden Wörter springen im Treppenhaus des ZfsL direkt ins Auge. Dr. Mubaraka möchte Persönlichkeiten formen, „denn starke Lehrkräfte können starke Schülerinnen und Schüler schaffen.“
Ihren Vorbereitungsdienst in Lüdenscheid startete zum Beispiel Annika Rudowski. Die 24-Jährige aus Eslohe im Sauerland wird Lehrerin an einer Förderschule in Olpe mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation, an der Schülerinnen und Schüler mit einer Hörbehinderung unterrichtet werden. Annika Rudowski hat selbst eine Hörbehinderung, ein Hörgerät hilft ihr durch den Alltag. Sie hat in Köln ein Lehramtsstudium mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation absolviert und ihren Master gemacht. „Ich freue mich sehr darauf, nun endlich auch in der Praxis loslegen zu können“, erzählt sie, „ich bin offen für jedes Kind, habe durch meine eigene Beeinträchtigung einen persönlichen Zugang und werde mich dafür einsetzen, schulische Inhalte barrierefrei in Gebärden- und Lautsprache zu vermitteln, damit jedes Kind individuell gefördert wird.“
Mit ebenso großer Motivation startet Lina Bitter aus Altena, ebenfalls im Sauerland, in ihren Vorbereitungsdienst fürs Lehramt Grundschule. Ursprünglich wollte die heute 25-Jährige Architektin werden. Da in ihrer Familie viele Menschen in sozialen Berufen tätig sind, stellte sie dann aber schnell fest, „dass ich gerne mit Kindern zusammenarbeite, um ihnen Rechnen, Schreiben und Lesen beizubringen und damit eine gute Grundlage für ihr Leben zu schaffen.“ An der Ida-Gerhardi-Schule in Lüdenscheid wird sie ihre praktischen Erfahrungen machen. „Dort wird jahrgangsübergreifend unterrichtet. Ich bin schon sehr gespannt, wie dieses Konzept funktioniert.“
Zum Hintergrund
Mit einem Bildungsetat von über 43,5 Milliarden Euro setzt Nordrhein-Westfalen 2026 klare Prioritäten, nicht nur beim Personalzuwachs an den Schulen. Kein anderes Bundesland investiert so viel in Bildung. Auch für 2027 sieht der Haushaltsentwurf Rekordinvestitionen von 44,4 Milliarden Euro für die Bildung vor. Damit steigen die Bildungsausgaben noch einmal um rund 800 Millionen Euro. Diese fließen nicht zuletzt in die Stärkung der Schulen.
Auch der Vorbereitungsdienst wird ständig weiterentwickelt. Bereits Anfang des Jahres wurde er modernisiert: Unterrichtsbesuche werden stärker als Lern- und Entwicklungsinstrument ausgestaltet. Einheitliche Rückmeldeformate sorgen künftig für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit. Gleichzeitig werden die schriftlichen Vorbereitungen schlanker und stärker auf die Anforderungen des Schulalltags ausgerichtet.
Der Vorbereitungsdienst findet in Nordrhein-Westfalen an 33 Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) mit 106 lehramtsbezogenen Seminaren statt. Er verbindet umfassende Lern- und Unterrichtselemente mit Praxisphasen in einer Ausbildungsschule. Zweimal im Jahr werden jeweils 3.000 bis 4.000 neue LAA eingestellt – immer am 1. Mai und am 1. November eines Jahres. Die Bewerbungsverfahren werden über das Internetportal Sevon (Seminareinweisungsverfahren online) abgewickelt. Das nächste Verfahren für den 1. Mai 2027 beginnt am 4. November. Die Bewerberinnen und Bewerber können ihre Anträge digital stellen, Ortswünsche angeben und Unterlagen hochladen.
Bei Bürgeranfragen wenden Sie sich bitte an: Telefon 0211 5867 40.
Bei journalistischen Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Schule und Bildung, Telefon 0211 5867 3505.
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