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Ministerin Feller: PISA mahnt uns, konsequent weiter voranzugehen

Nordrhein-Westfalen setzt mit dem Schulkompass NRW 2030 konsequent auf Stärkung der Basiskompetenzen, gezielte Förderung und datengestützte Qualitätsentwicklung

08.09.2026

Das Ministerium für Schule und Bildung teilt mit: 

Zu den Ergebnissen der PISA-Studie 2025 erklärt Schulministerin Dorothee Feller: „Die Ergebnisse sind für Deutschland erschreckend schwach. Es macht mir große Sorgen, dass die naturwissenschaftlichen und mathematischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nach 2012 durchweg zurückgegangen sind und Deutschland im internationalen Vergleich nur noch im Mittelfeld liegt. Besonders besorgniserregend ist, dass Deutschland im internationalen Vergleich große Kompetenzunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern aus sozioökonomisch benachteiligten und aus privilegierten Familien aufweist. Diese Unterschiede sind seit 2015 nicht kleiner geworden. Zugleich zeigt PISA, dass die soziale Herkunft für die Kompetenzentwicklung eine deutlich größere Rolle spielt als ein Zuwanderungshintergrund. Das muss uns zu denken geben. Bildungserfolg darf nicht von der sozialen Herkunft abhängen.“

Zwar liege Deutschland in einigen Bereichen über EU-Durchschnitt, das jedoch nur, weil sich viele EU-Staaten noch deutlich stärker verschlechtert hätten, so die Ministerin: „Unser Anspruch muss ein anderer sein. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die PISA-Studie erstmals elf klare, wissenschaftlich gestützte Empfehlungen als Handlungsoptionen ausspricht. Damit konzentriert sie die Debatte auf die Felder, in denen Verbesserungen nachweislich möglich sind.“

Ministern Feller: „Diese Handlungsoptionen zeigen: Wir haben in Nordrhein-Westfalen bereits passgenaue Maßnahmen eingeleitet, um die Trendumkehr zu schaffen. Vor allem mit einem klaren Fokus auf die Stärkung der Basiskompetenzen und einer datengestützten Qualitätsentwicklung wird uns dies gelingen. Andere erfolgreiche Staaten wie zum Beispiel Kanada und Estland haben gezeigt, dass dieser Ansatz wirkt, aber auch diese Staaten haben einen langen Weg von mindestens zehn Jahren hinter sich. Die neuen PISA-Ergebnisse mahnen uns, noch beherzter voranzugehen.“

Ministerin Feller betont: „Ich habe immer gesagt, dass wir einen langen Weg vor uns haben und davor gewarnt, zu hohe Erwartungen an die nächsten Schulleistungsstudien zu knüpfen. Nach dem IQB-Bildungstrend 2024, der in etwa die gleiche Altersgruppe in den Blick nimmt, kommen die PISA-Ergebnisse für unsere 15-jährigen Schülerinnen und Schüler leider nicht überraschend, was es jedoch nicht besser macht. Entscheidend ist jetzt, dass wir unseren eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen. Dabei zeigt PISA auch, dass die Zahl der Lehrkräfte allein nicht entscheidend für den Bildungserfolg ist. Deutschland liegt bei der Lehrkraft-Schüler-Relation im OECD-Durchschnitt und hat sich sogar gegenüber 2015 verbessert. Gleichzeitig haben sich die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen grundlegend verändert. Diesen Veränderungen müssen wir in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung sowie im Unterricht gerecht werden. Es kommt darauf an, das Personal bedarfsgerecht einzusetzen und enger in die Schul- und Unterrichtsentwicklung einzubinden. Darauf müssen wir unseren Blick richten. Unsere Lehrerinnen und Lehrer leisten jeden Tag eine engagierte und wichtige Arbeit für ihre Schülerinnen und Schüler. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen und ihnen dafür die bestmöglichen Instrumente und Unterstützungsangebote an die Hand zu geben.“ 

 „Mit dem Schulkompass NRW 2030 haben wir in Nordrhein-Westfalen für die kommenden Jahre einen klaren Kurs abgesteckt“, erklärte die Ministerin. „Alle Maßnahmen folgen den klaren Empfehlungen aus der Wissenschaft und sind darauf ausgerichtet, unseren Schülerinnen und Schülern bessere Bildungschancen zu eröffnen. Wir wollen die Risikogruppe verkleinern und die Leistungsspitze vergrößern. Damit uns das gelingt, haben wir bereits damit begonnen, unsere Lehrerinnen und Lehrer mit ganz konkreten Angeboten und Instrumenten zu unterstützen, damit sie ihren Unterricht weiterentwickeln und individuell auf ihre Schülerinnen und Schüler abstimmen können. Die verbindliche Lesezeit von dreimal 20 Minuten pro Woche, eine zusätzliche Stunde Deutsch und Mathematik in der Grundschule, die neuen Lernstandserhebungen in Klasse 5, das zentrale Schülerfeedback und die neuen Zielvereinbarungen zwischen Schulen und Schulaufsicht sind nur einige ganz konkrete Beispiele für den neuen Kurs, den wir in Nordrhein-Westfalen eingeschlagen haben und der jetzt wirken muss. Die PISA-Studie unterstreicht, dass es dabei vor allem auf die Qualität des Unterrichts ankommt. Deshalb stellen wir das in den Mittelpunkt unserer Anstrengungen.“

„Gleichzeitig“, so die Ministerin, „richten wir unsere Unterstützung gezielt auf die Schulen und Kinder mit den größten Herausforderungen aus. Mit dem Startchancen-Programm unterstützen wir besonders belastete Schulen. Der schulscharfe Sozialindex sorgt ebenfalls dafür, dass zusätzliche Ressourcen dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Das Startchancen-Programm sowie die Familiengrundschulzentren stärken zudem die Zusammenarbeit mit den Eltern. Entscheidend ist vor allem auch, früher anzusetzen. Bildungsungleichheiten entstehen besonders in den ersten Lebensjahren. Mit unseren neuen ABC-Klassen wollen wir allen Kindern bessere Startchancen geben und einen erfolgreichen Schulstart ermöglichen. Damit setzen wir genau an den Punkten an, die auch die PISA-Autoren und die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hervorheben. Und vielleicht müssen wir doch noch einen Schritt weiter zurück gehen und viel früher ansetzen, im Elternhaus oder sogar schon zu der Zeit, wenn Eltern Eltern werden. PISA zeigt jedenfalls, dass die Bildungsaspiration, also das Streben nach einem bestmöglichen Bildungsabschluss, in Deutschland deutlich geringer ausgeprägt ist als in anderen EU- und OECD-Staaten. Und auch die familiäre Unterstützung der Kinder fällt in Deutschland deutlich niedriger aus als im OECD-Durchschnitt. Hier stellen sich einige Fragen neu. Für unsere Schulen geht es jetzt jedenfalls darum, Kurs zu halten, die eingeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen und dort nachzusteuern, wo es notwendig ist.“

Die Ministerin weist darauf hin, dass die Schulen gegenwärtig vor großen Herausforderungen stehen: „Die Corona-Pandemie und ihre Nachwirkungen, die Krisen und Kriege dieser Welt auch direkt vor unserer Haustür, die Auswirkungen des Klimawandels, die mit der Zuwanderungen verbundenen Herausforderungen, eine zunehmende Polarisierung unserer Gesellschaft und nicht zuletzt die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen – all das wirkt sich auch auf unsere Schulen und das Lernen junger Menschen aus. Wir brauchen deshalb weitere Forschung zu den Einflüssen und den Ursachen des Leistungsrückgangs, der nicht nur Deutschland, sondern die meisten EU- und OECD-Staaten betrifft. Noch wissen wir zu wenig darüber, welche Faktoren welchen Anteil an dieser Entwicklung haben. Welche Auswirkungen hat beispielsweise eine intensive Social-Media-Nutzung auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen? Die PISA-Ergebnisse weisen zumindest auf einen Zusammenhang zwischen häufiger Handynutzung und niedrigeren Kompetenzwerten hin. Diesen Zusammenhang müssen wir genauer untersuchen.“ 

„Ermutigend“, so die Ministerin abschließend, „ist, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland ein überdurchschnittlich starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule haben und auch wieder mehr Interesse an den Naturwissenschaften haben. Bei allen Sorgen und Nöten, von denen uns junge Menschen immer wieder berichten, ist das eine wichtige Grundlage, auf der wir aufbauen können. Wir werden die Qualitätsentwicklung an unseren Schulen weiter konsequent vorantreiben. Es lohnt sich, für die Bildungschancen dieser jungen Generation jeden Tag aufs Neue zu arbeiten.“ 

Hintergrund zu PISA 2025

Die internationale Schulleistungsstudie PISA (Programme for International Student Assessment) wird von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) koordiniert. Sie untersucht regelmäßig, wie gut 15-Jährige gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften auf alltagsnahe Fragestellungen anwenden können. Bei jeder Erhebung steht ein Kompetenzbereich im Mittelpunkt; 2025 waren dies die Naturwissenschaften. Erstmals wurde zudem das modellbasierte Problemlösen als Teilbereich von „Lernen in der digitalen Welt“ untersucht.

An der neunten PISA-Erhebung beteiligten sich weltweit rund 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Staaten und Regionen. In Deutschland wurden die Kompetenzen von rund 6.700 repräsentativ ausgewählten 15-Jährigen an etwa 250 Schulen aller Schularten untersucht. Ergänzend wurden die Jugendlichen, ihre Eltern sowie Lehrkräfte und Schulleitungen zu Lernbedingungen, Unterricht und schulischen Rahmenbedingungen befragt. Der deutsche Teil der Studie wird im Auftrag der Bildungsministerkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München geleitet.

Bei PISA 2025 erreicht Deutschland in den Naturwissenschaften 486 Punkte (OECD-Schnitt: 482), im Lesen 465 (OECD: 461) und in Mathematik 464 (OECD: 463) und liegt damit in allen drei Kompetenzbereichen nur noch im OECD-Durchschnitt. Zwar liegt Deutschland im Vergleich zu den anderen EU-Staaten in den Naturwissenschaften und im Lesen leicht über dem Durchschnitt (EU-Schnitt: 476 bzw. 451), in Mathematik wird jedoch ebenfalls nur noch europäisches Durchschnittsniveau erreicht (EU: 460).

 

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Dieser Pressetext ist auch verfügbar unter www.land.nrw

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